Alles zu viel: „Maysoon“ erzählt von einer Ägypterin in Deutschland

Drama Sommer am See – die pure Idylle, auch für Maysoon (Sabrina Amali), ihren Freund Tobi (Florian Stetter) und die beiden gemeinsamen Kinder. Doch der Schein trügt: Tobi hat eine Affäre mit seiner Chefin Julia (Susanne Bormann). Für Maysoon bricht die geordnete Welt zusammen, und sie spürt, wie fragil ihr Lebenskonzept ist, das einzig auf der Beziehung zu Tobi fußt, wegen dem sie auf eine akademische Karriere verzichtet hat. Im Arabischen Frühling war die Ägypterin politisch aktiv und musste vor zehn Jahren ihre Heimat Richtung Berlin verlassen. Ihr Bruder wurde wegen ihr verhaftet und kam im Gefängnis um, was sich die junge Frau nie verziehen hat. In ihrer Verzweiflung handelt Maysoon unbedacht, sie verliert ihren Job als Museumsführerin. Doch ohne Job und die nötigen Papiere droht ihr die Ausweisung. Dennoch ist die zutiefst gekränkte Frau nicht bereit, sich mit Tobi zu einigen.
Die griechische Autorin und Regisseurin Nancy Biniadaki erzählt in ihrem intensiven Drama „Maysoon“ von Liebe und Verrat, vom Fremdsein in einem letztlich fremden Land, von Wurzeln, Freundschaft und Vertrauen. Sie erzählt dies konsequent aus Sicht ihrer Titelfigur: eine starke und vermeintlich unabhängige Frau und liebende Mutter, die aus der Bahn geworfen wird. Dabei ist die Handkamera immer nah an den Figuren, lässt durch Beharren die Emotionalität noch stärker wirken. Die reduzierte Musik verstärkt diese Momente noch. Sabrina Amali zeigt dabei als Maysoon eine große Wandlungsfähigkeit.