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„Mit Hasan in Gaza“: Kamal Aljafari präsentiert Aufnahmen aus 2001

Die Dokumentation „Mit Hasan in Gaza“ des palästinensischen Regisseurs Kamal Aljafari ist eine doppelte Zeitreise in seine Zeit im israelischen Gefängnis und nach Gaza im Jahr 2001
Text: Michael Meyns
Veröffentlicht am: 25.03.2026
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„Mit Hasan in Gaza“ nutzt Bildmaterial, das Regisseur Kamal Aljafari 2001 aufnahm. Foto: Grandfilm 

Der Gaza-Streifen, 40 Kilometer lang, zwischen sechs und 14 Kilometer breit, über zwei Millionen Palästinenser leben hier unter schwierigsten Bedingungen. Manche sprechen vom größten Freiluftgefängnis der Welt, während der amerikanische Publizist:in Masha Gessen sogar den bewusst provozierenden Vergleich zu jüdischen Ghettos bemühte. Als Reaktion auf den Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 verwandelte die israelische Armee Gaza in ein Trümmerfeld, dessen Wiederaufbau Jahrzehnte dauern dürfte, so es überhaupt dazu kommt. Ausführlichere Eindrücke vom Alltag vor 2023 blieben einer breiten Weltöffentlichkeit nahezu unbekannt. Etliche Filme sind aktuell dabei, dies zu ändern, selten konnten sie, aus unterschiedlichen Gründen, direkt in Gaza gedreht werden, „Die Stimme von Hind Rajab“ etwa, oder „Once Upon a Time in Gaza“.

„Mit Hasan in Gaza“ Regisseur Kamal Aljafari lebte in Berlin

Um so relevanter wirkt auch deswegen „Mit Hasan in Gaza“, ein Film des palästinensischen Regisseurs Kamal Aljafari, der im israelischen Ramle geboren wurde, Ende der 90er Jahre emigrierte, in Köln an der Kunsthochschule für Medien studierte, und nach längeren Aufenthalten unter anderem in Berlin inzwischen in Paris lebt. Bevor er seinen ersten Film realisiert hatte, reiste Aljafari im November 2001 nach Gaza, wo er nach einem Mann suchte, den er 1989 im Gefängnis kennengelernt hatte. Bald begegnete er dem lokalen Guide Hasan, der ihm bei der Suche half, die von Norden nach Süden einmal quer durch Gaza führte, und von Aljafari mit einer digitalen Kamera aufgenommen wurde.

Falls schon damals ein Filmprojekt geplant war, wurde nichts daraus. Jahrelang verstaubten die Kassetten in Aljafaris Archiv, gerieten in Vergessenheit, bis er sie vor kurzem wiederfand. Ein Zufall, ein glücklicher Zufall, passt das Material doch hervorragend zu Aljafaris filmischem Werk, in dem er sich mit Formen der Erinnerung, aber auch der visuellen Repräsentation von kolonialen Orten beschäftigt hat.

„Mit Hasan in Gaza“ ist eine doppelte Zeitreise

Das Bildmaterial aus Gaza 2001, während der Zweiten Intifada entstanden, zeigt eine Region, in der das Leben manchmal fast unbeschwert verläuft. Kinder spielen am Strand, auf den Straßen der Städte herrscht geschäftiges Treiben, die meisten Häuser stehen noch, wenngleich nicht alle. Einmal klettern Aljafari und Hasan durch Trümmer einer Ruine, in der Ferne sehen sie israelische Soldaten, für deren Gewehre sie ein einfaches Ziel wären. Nachts hört man Detonationen. Friedlich war Gaza 2001 nicht.

Während die Mauer, die Israel vom Westjordanland trennt, sich zu diesem Zeitpunkt noch im Bau befand, war der Gaza-Streifen schon abgetrennt, war zu der Enklave geworden, die den Palästinensern in den folgenden Jahren ein normales Leben zunehmend unmöglich machen sollte.

Eine doppelte Zeitreise evoziert Kamal Aljafari in „Mit Hasan in Gaza“, lässt in über die Bilder gelegten Textpassagen seine Erinnerungen an die Zeit im israelischen Gefängnis durchscheinen, während die Bilder, die er 2001 in Gaza drehte, eine Region zeigen, die so nicht mehr existiert. Ein Erinnerungsraum entsteht, das Bild von Städten, die zerstört wurden, von Menschen, die vielleicht auf die ein oder andere Weise inzwischen Opfer eines schier endlosen Konfliktes geworden sind, so wie vielleicht Hasan, von dem nicht bekannt ist, ob er heute noch lebt.

Mit Hasan in Gaza (With Hasan in Gaza) Palästina 2025; 106 Min.; R: Kamal Aljafari; Kinostart: 26.3.


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