Wie Godard seinen ersten Film drehte: „Nouvelle Vague“

Vor fast genau 66 Jahren, am 16. März 1960, begann eine neue Ära des Kinos. An jenem Tag hatte „À bout de souffle“, auf Deutsch „Außer Atem“, Premiere, der erste Film von Jean-Luc Godard, der das Kino veränderte wie nur wenige andere Filme davor oder danach. Einer der vielen Regisseure, die sich von der Lässigkeit, der Lust zur Improvisation, dem Willen, neue unbekannte Wege zu gehen, inspirieren ließ, war Richard Linklater. Ein Regisseur, der in den letzten 35 Jahren immer wieder Neues ausprobierte, meist am Rande Hollywoods arbeitete, und nun zum ersten Mal einen Film auf Französisch gedreht hat. Platt gesagt ist „Nouvelle Vague“ ein Making-Of von „Außer Atem“, doch so viele Jahrzehnte später haben sich die damaligen Ereignisse längst in Legenden verwandelt, dürften sich selbst die – immer spärlicher werdenden – Zeitzeugen kaum noch genau daran erinnern, was damals im Detail passiert ist. Was Linklater viel Raum lässt, um zu fabulieren, zu spekulieren und mit einem Ensemble aus jungen, eher unbekannten französischen Schauspielern Spaß zu haben.
So wie einst Godard drehte Linklater auf den Straßen von Paris, in Schwarzweiß, im klassischen, fast quadratischen Bildformat 4:3. Neben Godard und seinen Stars Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg sind in oft nur winzigen Auftritten praktisch alle Vertreter der damaligen Filmszene zu erspähen, von Jacques Rivette bis Éric Rohmer und François Truffaut. Was leicht eine reine Spielerei für Insider hätte werden können, wird dank der lässigen Regie Linklaters zu einer liebevollen Hommage an einen der Großen des Kinos.
Text: Michael Meyns