Wer war noch mal Peter Parker? „Spider-Man: Brand New Day“ spielt mit Gedächtnisverlust

Wie Tom Hollands Sommer läuft, muss man den inzwischen 30-jährigen Schauspieler nicht fragen: Erst vor zwei Wochen lief „Die Odyssee“ an, die sich zum Riesenerfolg entwickelte, nun ist Holland einmal mehr in der Rolle zu sehen, mit der er vor zehn Jahren berühmt wurde, in einem Film, der nun die Stellung halten soll, bis im Dezember mit „Avengers: Doomsday“ der von den Kassenwarten Hollywoods sehnlichst erwartete Mega-Film wieder einmal alles überbieten soll.
Ähnlich vollgestopft mit Stars wie „Avengers: Doomsday“ war auch der bislang letzte Spider-Man-Film „No Way Home“, in dem vor fünf Jahren nicht nur einer, sondern gleich alle drei Spider-Man-Akteure der letzten Jahrzehnte auftraten, dazu ein kaum zu überblickendes Aufgebot an Antagonisten und Gaststars. Am Ende des Exzesses sorgte ein Zauberspruch dafür, dass niemand mehr sich an Peter Parker erinnerte, Spider-Man also in der Anonymität der Großstadt verschwinden konnte. Allerdings ohne seine große Liebe MJ (Zendaya), die sich natürlich ebenfalls nicht mehr erinnern konnte, dass sie den Mann hinter der Maske kennt und liebt.
So beginnt „Spider-Man: Brand New Day“ mit einem einsam in einer Dachkammer lebenden Superhelden, der das Verbrechen in New York bekämpft, nur via Social Media verfolgen kann, was MJ und die Anderen treiben, und zunehmend Depressionen entwickelt. Bei einer Rettungsaktion jedoch trifft Spider-Man auf eine seltsame Entität, die sich scheinbar ohne Grenzen im Geist unterschiedlicher Menschen festsetzen kann und deren Bewegungen kontrolliert. Allein Spider-Mans Geist widersetzt sich dem Übernahmeversuch, doch seine Neugier ist geweckt.
„Spider-Man: Brand New Day“: Bekannte Muster, aber auch ruhige Momente
Etwas holprig versucht das Drehbuch nun die diversen Stränge zu verknüpfen, lässt Peter Parker auf Bruce Banner (Mark Ruffalo), also den Hulk, treffen, vordergründig um eine Methode zu diskutieren, die dunklen Seiten der Superkräfte zu kontrollieren, vor allem jedoch deswegen, um den im modernen Superheldenfilm unvermeidlichen Bezug zu anderen Filmen und Figuren herzustellen. Dementsprechend taucht in einer kurzen Szenen auch Florence Pugh als Black Widow auf, gibt einen Hinweis und verschwindet wieder. Etwas länger dauert dagegen der Auftritt von Frank Castle (Jon Bernthal), besser bekannt als der Punisher, der bislang zwar nichts mit der Spider-Man-Welt zu tun hatte, ihm nun aber zur Seite steht, allerdings nicht gegen einen finsteren Antagonisten, denn auf einen solchen wird seltsamerweise verzichtet. Die Entität erweist sich als junges Mädchen (gespielt von der aus „Stranger Things“ bekannten Sadie Sink), die gute Gründe für ihre Taten hat, vor allem aber einen Weg in die Zukunft der Marvel-Welt weist, auch wenn Näheres nicht verraten werden soll, jaja, keine Spoiler!
Die schönsten Momente dieses allzu episodischen, gleichermaßen überlangen und unterentwickelten Films, sind am Ende die zwischen Spider-Man und MJ. Ruhige Momente, in denen zwei Menschen nicht die Welt retten, sondern nicht mehr als ihre Zuneigung neu entdecken wollen. Meist jedoch beschränkt sich auch dieser Superheldenfilm darauf, bekannte Muster zu variieren, zwar mit ein bisschen weniger Bombast und überbordendem Exzess, als man es kennt, aber auch ohne allzu viel visuelle und vor allem erzählerische Originalität.