Ein Film wie von Steven Spielberg: „The End of Oak Street“

Erst vor ein paar Wochen zeigte Steven Spielberg – der Meister des Sommer-Blockbuster – mit „Disclosure Day“, dass er es noch drauf hat, nun kommt mit „The End of Oak Street“ ein Film ins Kino, der in gewisser Weise als der beste Spielberg-Film des Sommers bezeichnet werden könnte, der nicht von Spielberg selbst stammt.
Je weniger man über „The End of Oak Street“ weiß, umso größer das Vergnügen
Regie führte David Robert Mitchell, Jahrgang 1974, also genau im richtigen Alter für eine Kindheit im Zeichen von Spielberg-Filmen in den 1980er Jahren. Nach kleineren Filmen wie „It Follows“ und „Under the Silver Lake“ hatte Mitchell nun ein größeres Budget zur Verfügung, und nutzte die Möglichkeiten für einen überdrehten, durchgedrehten Film, der ungefähr das ist, was herauskommen könnte, wenn „Poltergeist“ und „Jurassic Park“ in den Mixer gesteckt würden, dazu ein wenig Astrophysik und postmodernes Pastiche. Für wen sich das vielversprechend anhört, der sollte nun aufhören zu lesen und ins Kino gehen, denn je weniger man über „The End of Oak Street“ weiß, umso größer das Vergnügen, unten geht es dann mit leichten Spoilern weiter.
„The End of Oak Street“: Kleinfamilie, Horror, Dinosaurier
In einer typischen amerikanischen Vorstand der frühen 80er Jahre beginnt „The End of Oak Street“, mit einer typischen amerikanischen Familie: Vater Greg (Ewan McGregor), Mutter Denise (Anne Hathaway) und die beiden Teenager-Kinder Audrey (Maisy Stella) und Brian (Christian Convery), dazu der Hund Starbuck, wirken wie eine Bilderbuchfamilie, doch es rumort, die Ehe kriselt, das Geld ist knapp, eine Trennung steht im Raum. Klar, so kann es nicht bleiben, etwas wird passieren, man kennt es, bei den „Goonies“ war es eine Schatzsuche, in „E.T.“ der Besuch eines Außerirdischen, in „Poltergeist“ eine übernatürliche Bedrohung, und hier sind es – Dinosaurier. Ein Wurmloch versetzt den Vorort in prähistorische Zeiten, plötzlich wird Starbuck von einem Dino gejagt, und der nervige Nachbar von Flugdinos geschnappt.
Doch anders, als man denken könnte, dienen die Dinosaurier und mit ihnen die Bedrohung der „nuclear family“ nur als spektakulärer, bildgewaltiger Hintergrund für ein Spiel mit Motiven und Klischees, die Mitchell lustvoll variiert. Kaum eine Szene, die sich nicht auf diesen oder jenen Spielberg-Film zurückführen ließe, die mit den typischen Tropen des Genres spielt, allerdings nicht nur mit einem, sondern mit diversen: Die Kleinfamilie, die in Not ist und durch besondere Umstände wieder zusammenfindet, übernatürliche Ereignisse, aber auch Horror-Motive finden sich in einem Pastiche, das sich bisweilen in seiner Referenzialität zu verlieren droht, meist aber seine erzählerische Freiheit zu überraschenden Volten nutzt, die am Ende fast so gut funktionieren wie die Filme des Meisters selbst.