„Wanda“: Ein Solitär des 70er-Jahre-Kinos kehrt zurück
„Wanda“, Barbara Lodens einzige Regiearbeit, kam aus dem Nichts. Das existenzialistische Meisterwerk läuft wieder im Kino
Text: Bert Rebhandl
Veröffentlicht am: 26.03.2026
Home » Kultur » Film » „Wanda“: Ein Solitär des 70er-Jahre-Kinos kehrt zurück
Eine Frau geht ihren Weg: Barbara Loden in ihrer einzigen Regiearbeit „Wanda“. © Grandfilm
Wanda Goronski, eine Mutter von zwei Kindern, hat von sich keine besonders gute Meinung: „I am just no good.“ Zum Scheidungstermin kommt sie zu spät, Lockenwickler im Haar. Auf ein Sorgerecht erhebt sie keinen Anspruch. Sie muss sehen, wie sie selbst zurechtkommt, in einem Leben, das von Zufallsbekanntschaften geprägt ist. Männer nutzen sie aus, Wanda lässt sich ausnutzen. Hier eine Nacht mit einem Vertreter in einem Motel, dort ein Bier mit einem anderen Mann an einer Bar. Als sie an Dennis gerät, bleibt sie bei ihm, auf einer Fahrt, die schließlich vor einer großen Bank endet. Spätestens hier müsste Wanda aus ihrer Passivität erwachen.
„Wanda“ ist ein kleines Wunder des Kinos
Als die amerikanische Schauspielerin Barbara Loden 1970 ihren einzigen Spielfilm als Regisseurin machte, spielte sie auch selbst die Hauptrolle. Eine Frau, mit der sich man sich nur schwer identifizieren kann, in einer Welt, in der es nur wenig Erfreuliches zu geben scheint. In den ersten, großartigen Bildern sieht man Wanda, gefilmt aus großer Distanz, in weißer Hose und weißer Bluse durch eine apokalyptische Landschaft gehen: die Kohlereviere von Pennsylvania.
Nach allen geläufigen Logiken und Dramaturgien müsste der Film „Wanda“ auf einen Moment der Krise zusteuern, auf eine moralische Wende oder eine Andeutung von Autonomie. Aber Barbara Loden lässt deutlich werden, dass das Amerika, durch das ihre Antiheldin sich bewegt, keine Ausbrüche zulässt. Heute kann man über „Wanda“ nur staunen: Ein existenzialistisches Meisterwerk, das beinahe aus dem Nichts kam. Barbara Loden hat zwar inzwischen ihr Etikett weg, sie wird als weibliches Pendant zu John Cassavetes („A Woman Under the Influence“) gesehen. Aber in erster Linie ist „Wanda“ ein Solitär, ein kleines Wunder des Kinos, und schließlich der einzige Film von Barbara Loden, die 1980 im Alter von nur 40 Jahren starb.
Wanda USA 1970; 103 Min.; R: Barbara Loden; D: Barbara Loden, Michael Higgins; Kinostart: 9.4.
Mehr zum Thema
Sandra Hüller schickt Ryan Gosling ins All: „Der Astronaut – Project Hail Mary“ ist Sci-Fi-Mittelmaß. Kampf gegen die KI: unsere Kritik zu Gore Verbinskis Sci-Fi-Komödie „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“. Jean-Pierre und Luc Dardenne im Interview: Ihr neuer Film „Junge Mütter“ zeigt eine Utopie. Ode an den Tischtennis-Sport und New York: Erspielt sich Timothée Chalamet in „Marty Supreme“ den Oscar? Wer hat die wichtigsten Preise gewonnen? Hier ist unser Überblick zur Abschlussgala der Berlinale 2026. Zum Auftakt der Filmfestspiele lief Shahrbanoo Sadats romantische Komödie „No Good Men“. Ein kleiner Überblick: Diese 22 Filme liefen im Wettbewerb der Berlinale 2026. Was bleibt vom „brat summer“? Der Charli-xcx-Film „The Moment“ läuft auf der Berlinale. Köstlich: Ulrike Ottingers Vampirfilm „Die Blutgräfin“ besprechen wir hier. Das satirische Drama „Once Upon a Time in Gaza“ sucht nach einem Kino gegen die Hamas. Von Kreuzberg nach Griechenland: Berliner Regisseurin Judith Angerbauer über ihren Film „Sabbatical“. Von Wiener Regie-Duo: „White Snail“ zeigt zwei verlorene Seelen in Belarus. Ein herzzerreißender Film über eine dramatische Rettungsaktion in Gaza: „Die Stimme von Hind Rajab“ in der Kritik. Der Letzte seiner Art in Berlin: Götz Valien malt Kinoplakate. Keine Lust mehr auf die Streaming-Riesen? Berliner Alternativen zu Netflix, Amazon Prime Video, Disney+ und Co. Blick zurück aufs Kinojahr 2025: Die Lieblingsfilme der tipBerlin-Redaktion. Was läuft sonst? Hier ist das aktuelle Kinoprogramm für Berlin. Mehr aus der Filmwelt lest ihr in unserer Kino-Rubrik.