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„Fliegenpapier“ von Hans Hillmann

Wer sich in den 60er- und 70er-Jahren in den Programmkinos deutscher Großstädte herumdrückte, der kannte auch die Plakatkunst von Hans Hillmann: Godards „Week End“ „Die sieben Samurai“ von Kurosawa, „Panzerkreuzer Potemkin“, das sind Filmplakate, die damals die Wände so mancher WG-Küche schmückten. Auch als Illustrator für die legendäre Zeitschrift „twen“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ machte er sich einen Namen und prägte – so ganz nebenbei – als Lehrer an der Kasseler Kunsthochschule mindestens zwei Generationen von Grafikern.

Sein größtes Werk jedoch erschien 1982: die Adaption der Kurzgeschichte „Fliegenpapier“ von Dashiell Hammett. Der Erfinder des Hard-boiled-Krimis und der Pate der Plakatkunst, das war „a match made in heaven“. Hillmann illustrierte die Story um den namenlosen Detektiv der Continental Agentur, der „missratende Tochter“ sucht nicht einfach, er interpretierte den Text.

Es ist nicht gerade Hammetts beste Geschichte, doch auf seine Art kongenial zerlegte der Zeichner den Text in seine Einzelteile und schuf dazu großformatige, graue, leicht verwaschene Bilder, in deren verzerrten Perspektiven und kühlen Einzelheiten der Betrachter sich verlieren kann. Eine Graphic Novel, geschaffen lange bevor das zum blödsinnigen Marketingbegriff wurde. Im Mai 2014 verstarb Hillmann 88-jährig in seinem Atelier. Schön, dass es dieses großartige Buch jetzt wieder gibt!

Text: Ted Baxter

Fliegenpapier von Hans Hillmann nach Dashiell Hammett, Avant, 256 S., 29,95 Euro

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