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Flüchtlinge widersetzten sich dem Rauswurf

Flüchtlinge widersetzten sich dem Rauswurf

Drei Flaschen Wasser für etwa zehn Menschen in einer Woche. Dies ist, laut einer Sprecherin des Refugee-Info-Points an der Gürtel-/ Ecke Scharneweberstraße in Friedrichshain, alles, wovon die auf dem Hostel-Dach an der Gürtelstraße 39 ausharrenden Flüchtlinge derzeit leben müssen.
Am gestrigen 31. August machten geschätzt etwa 1.000 Demonstranten bei einer Kundgebung am frühen Abend durch Friedrichshain auf die Situation der Flüchtlinge aufmerksam, die Montag, den 25. August völlig unvermittelt die ihnen zuvor zugesprochenen Hostel-Plätze verlassen mussten. Etwa zehn der Flüchtlinge widersetzten sich dem Rauswurf und haben sich auf dem Hostel-Dach verschanzt.
Die Demonstranten beklagten mit Rufen, Bannern und Plakaten vor allem den Wortbruch des Senats, der eine gewissenhafte Einzelfallprüfungen in Sachen Aufenthaltsberechtigung als einer der Gegenleistungen für die Aufgabe des Protest-Camps auf dem Kreuzberger Oranienplatz versprochen hatte, die Unterlagen der Flüchtlinge tatsächlich aber nur nach Schema F durchsah – und umgehend jede weitere Unterstützung einstellte.
Wasser und Strom seien für die Flüchtlinge auf dem Dach längst abgestellt, tagelang durfte niemand persönlich Kontakt zu ihnen aufnehmen, auch die Presse darf das von der Polizei abgesperrte Gebiet vor dem Hostel nichtbetreten. Erst im Rahmen der Demonstration wurde ein Pfarrer zu den Flüchtlingen auf dem Dach vorgelassen, heißt es beim Info-Point. Doch auch dieser durfte weder Gegenstände, noch Wasser oder Lebensmittel mitnehmen. Einziger Schutz für die Flüchtlinge gegen das kalte Wetter, so heißt es, sei eine Plane. Aufgefangenes Regenwasser diene ihnen als Getränk.
Montag vormittag (1. September) demonstrierten zusätzlich rund 40 Unterstützer der Flüchtlinge am Amtssitz von Dilek Kolat, der Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen – was auch die entsprechende Pressestelle bestätigte. Dilek Kolat hatte die Vereinbarung mit der Flüchtlingen vom Oranienplatz unterschrieben. Laut der „taz“ vom Wochenende habe Innensenator Frank Henkel über ein juristisches Gutachten Frau Kolats Unterschrift inzwischen als nicht verbindlich für den Senat erklärt.
 
Text + Fotos:
Eva Apraku

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