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Elternsprecher: Flugangst

FlugzeugMit acht Jahren stieg ich zum ers­ten Mal in ein Flugzeug, Ende der 70er Jahre von Berlin-Schönefeld nach Warschau. Damals war Fliegen noch etwas Besonderes. Mit acht Jahren sitzt man still, wenn die Stewardess es befiehlt, man kann einigermaßen klar artikulieren, was man will und was nicht. Bonbon – klar,
Tee – nein danke. Alles prima.
Mit Kleinkindern ist das leider nicht so prima. Mir fällt spontan nur ein Grund ein, weshalb man Kinder unter zwei Jahren in ein Flugzeug verfrachten sollte: weil sie bis dahin kostenlos mitfliegen. Die Frage ist nur, ob die dabei malträtierten
Nerven mit Bonusmeilen überhaupt nur einigermaßen aufzuwiegen sind. Äh, nein.
Bis zum Alter von acht Monaten liegen Babys in einer an der vorderen Wand arretierten Schale. Natürlich ohne Gurt. Man möchte sich gar nicht so genau ihren Verbleib im Falle eines Luftloches vorstellen. Ab dem neunten Lebensmonat aber schnallt Papa sich Sohnemann mit einem Extra-Gurt vor den Bauch. Kleinkinder finden Anschnallen doof und Papa gleich mit, was ihm und dem Rest der Passagiere sogleich mit aller Lungenmacht kundgetan wird. Dann heißt es für die Eltern: lächeln, entschuldigen oder den aufkeimenden Hass in den Sitzreihen autistisch wegignorieren. Und hoffen, dass der Flieger pünktlich landet.
Der Gipfel aber sind Langstreckenflüge. Neulich saß ich im Flugzeug neben einem Mann, der gerade aus Los Angeles kam. Er erzählte von einem halben Dutzend Kindern. Er hatte Augenringe. Er sah fertig aus. Man muss sich den Flug wohl so vorstellen. Ein Kind schreit immer. Damit wachen die anderen auf. Dann schreien alle. Also schläft keiner. Neun Stunden lang.
Morgen fliege ich mit Frau und Tochter in den Urlaub. Meine Tochter ist knapp zwei, sie reist das letzte Mal kostenlos mit. Sie tobt sehr gern herum. Ihr Lieblingswort ist „Nein“. Ich hoffe nur, der Flieger ist nicht ganz voll. Für die anderen.
Text: rik

 

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