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„Frau ohne Schatten“ in der Deutschen Oper

Frau ohne SchattenIhren größten Theatercoup sparte sich Kirsten Harms für den Tag nach ihrer ersten Saisonpremiere auf: Per Pressemitteilung ließ die glücklose Intendantin verkünden, dass sie für eine Verlängerung ihres 2011 auslaufenden Vertrags nicht zur Verfügung stehe. Angesichts ihrer neuen Inszenierung hielt sich die Trauer darüber in Grenzen. Für Richard Strauss‘ „Frau ohne Schatten“ kann Harms nichts anbieten, was über begrenzt geschickt organisierte Konvention hinausgeht. An der Kernaufgabe, den Grundkonflikt zweier kinderloser, frustrierter Ehepaare aus der bombastisch verschwurbelten Märchenverpackung herauszuschälen, scheitert die Regisseurin jedenfalls.

Zwar siedelt sie die Geschichte in den Bühnenbildern ihres Gatten Bernd Damovsky im Umfeld des Zweiten Weltkriegs an, aber weitere Folgen hat das nicht. Zwischen Reichskanzleimarmor und U-Bahnhof-Tristesse bewegen sich Opernsänger, aber keine Menschen, und am Ende steigt ohne erkennbare Ursache eine dekorative Rauchsäule aus dem Bühnenboden. So steht der Abend ziemlich genau für die Verdienste und die Schwächen der Ära Harms. Zwar kriegen die Kollektive von Technik, Orchester und dem herausragenden Chor inzwischen wieder einen großen Opernabend verlässlich über die Runden, aber bis zum Opernhaus von überregionaler Bedeutung ist es für die Deutsche Oper noch ein weiter Weg. Dazu bräuchte es nicht nur bessere Sänger (in der „Frau ohne Schatten“ wird nur Johan Reuter als berührender Barak diesem Anspruch gerecht), sondern auch eine entschiedene Aussage, was für eine Art Musiktheater an der Bismarckstraße stattfinden soll. Dafür will nun erstmal der neue Chefdirigent Donald Runnicles sorgen. Ohne Harms.

Text: Jörg Königsdorf
Foto: Marcus Lieberenz

tip-Bewertung: Uninteressant

Die Frau ohne Schatten
in der Deutschen Oper, Bismarckstraße 34-37, Charlottenburg, So 18.10., 18 Uhr, Sa 5.12., 18 Uhr, So 13.12., 17 Uhr
Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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