Kultur

Frohes Fastenbrechen!

Frohes Fastenbrechen!

Nach Spaß klingt der Ramadan eigentlich nicht. An den 30 Tagen des Fastenmonats dürfen Muslime von Sonnenaufgang bis Dämmerung weder trinken noch essen. Und doch ist Ramadan für viele Muslime die schönste Zeit des Jahres. Grund dafür ist die Zeit nach Sonnenuntergang: Dann feiern Muslime zusammen ihr Fastenbrechen. Das sogenannte Iftar kann im Prinzip überall stattfinden. Am 4. Juli sogar im Schwimmbad: Im Sommer-bad am Humboldthain laden die Berliner Bäderbetriebe zum Fastenbrechen mit Grillen und Mitternachtsschwimmen ein. „Meines Wissens ist das bundesweit einmalig“, erklärt Matthias Oloew, Pressesprecher der Bäderbetriebe. Das Wichtigste an der Veranstaltung: Sie richtet sich gleichermaßen an Muslime und Nicht-Muslime.
Muslimisches Fastenbrechen im Schwimmbad: Das klingt revolutionär, ein bisschen ist es das auch. Aber vor allem bildet es eine Entwicklung in Deutschland ab. Lange war der Fastenmonat Ramadan ein Ritual, das die Öffentlichkeit wahlweise ignorierte oder kritisch beäugte. Das ändert sich jetzt. „Wir wünschen allen Muslimen einen segensreichen Ramadan!“, schreibt die Bundesregierung auf ihrer Facebook-Seite. Mehr als 40.000 Nutzern gefällt das.
Auch Kazim Erdogan gefällt das. Der türkischstämmige Psychologe ist berlinweit für sein interkulturelles Engagement bekannt. „Das größte Problem unserer Gesellschaft ist doch die Sprachlosigkeit“, stellt Erdogan fest, „deswegen ist es wunderbar, wenn Ramadan die Menschen zusammenbringt.“ Schließlich ist es Tradition, zum Iftar seine Nachbarn einzuladen.
Als Vorreiter dieser Annährung gelten die „Nächte des Ramadan“. Seit 2008 feiert die Veranstaltungsreihe den Ramadan als Monat des kulturellen Austausches – mit Filmen, Debatten und Konzerten in jeder Ramadan-Nacht. Und natürlich mit Fastenbrechen. Sogar Clubsessions gibt es dieses Jahr: ?Am 4. Juli treten DJ Ipek und weitere muslimische Musiker im Gretchen auf und feiern mit den Gästen Iftar. Dahinter steht die Organisation Piranha Kultur. „Wir wollen den Austausch zwischen verschiedenen Kulturen fördern“, erklärt Luise Müller von Piranha, „und Teil dieser Aufgabe ist es, den Ramadan für alle erlebbar zu machen. Wir fanden es schade, dass Ramadan in Deutschland so wenig gefeiert wurde – im Gegensatz zu Weihnachten.“ In diesem Jahr gibt es übrigens zum ersten Mal einen Ramadan-Kalender: die muslimische Variante des Adventskalenders. Auch die Industrie entdeckt den Ramadan.
Kazim Erdogan beobachtet schon seit einigen Jahren, dass sich Muslime und Nicht-Muslime in Deutschland aufeinander zubewegen. Dazu gehört auch die Öffnung des Ramadan. Welche Seite dabei den ersten Schritt mache, sei letztlich egal, meint der Psychologe: „Die Hauptsache ist: Man lebt miteinander, man isst miteinander und man spricht miteinander.“

Text: Rebekka Wiese

Foto: Faruk Civan

Nächte des Ramadan

Verschiedene Veranstaltungen in ganz Berlin bis zum 31.7., z.B. Clubsession im Gretchen mit DJ Ipek, Gülina und Ebow, Obentraut­straße 19–21, Kreuzberg, Sa 4.7., Einlass 19.30, 12 Euro/ VVK: 10 Euro, www.piranhakultur.de

Iftar am Leopoldplatz
Fest und Fastenbrechen vor der Nazareth-Kirche im Leopoldplatz, Wedding, ?Mi 8.7., 18.30 Uhr, Anmeldung für das große ?Essen nicht mehr möglich, Besuch des Kultur­programms auch ohne Anmeldung, [email protected]

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