• Kultur
  • Frontbann 24: Das Buch gegen Nazis

Kultur

Frontbann 24: Das Buch gegen Nazis

Frontbann_24In der Öffentlichkeit fallen sie wegen ihrer schwarzen Kleidung auf. An ihren Hemden oder T-Shirts prangen der Reichsadler, ein Lorbeerkranz, der „Frontbann“-Schriftzug und am Kragen eine „24“. Auf rechten Demonstrationen marschieren sie als Gruppe und schwenken dazu die schwarz-weiß-rote Fahne, die in der rechten Ecke glorifiziert wird.

Das Auftreten der rechten kameradschaftsähnlichen Vereinigung, deren Verbot Innensenator Ehrhart Körting (SPD) derzeit prüft, erinnert sicher nicht zufällig an die SA: „Frontbann“ hieß deren Vorgängerorganisation. Die wurde 1924 durch Ernst Röhm gegründet. Am 13. August 2009 ließ die Staatsanwaltschaft elf Wohnungen von mutmaßlich führenden Frontbann-24-Mitgliedern durchsuchen. Grund: das öffentliche Tragen von Uniformen und rechten Zeichen „als Ausdruck einer gemeinsamen den Nationalsozialismus glorifizierenden politischen Gesinnung“. Neben den Uniformen wurden auch Schlagwerkzeuge sowie Kugelschreiber und Feuerzeuge mit Hakenkreuzen gefunden, die zum Verteilen vorgesehen waren.

Entstanden ist Frontbann 24 erst Ende 2008 und wohl als eher zufälliges Auffangbecken für unzufriedene NPDler. Wegen Unzufriedenheit mit dem Führungsstil des NPD-Landesvorsitzenden Jörg Hähnel gärte es in der rechtsradikalen Partei. Die Vorsitzenden der Kreisverbände Marzahn-Hellersdorf, Gesine Hennrich, und Tempelhof-Schöneberg, Hans Joachim Henry, traten aus der Partei aus und mit ihnen zahlreiche ihrer Anhänger.

Einige sind gerade dabei, die lange totgeglaubte Berliner DVU neu zu beleben. Andere gründeten die Kameradschaft Frontbann 24. Körtings Sprecherin Nicola Rothermel sagt: „Die Gruppierung fängt vor allem solche Leute aus dem rechten Spektrum auf, denen die NPD zu weich ist. Deshalb müssen wir ein Verbot zügig prüfen.“ Der Berliner Verfassungsschutz schätzte die Mitglieder der neuen Gruppierung vor mehreren Wochen auf 40 bis 60. Doch Nicola Rothermel geht davon aus, dass es einen Mitgliederzuwachs gab. Frontbann 24 sei die am stärksten wachsende Neonaziorganisation in der Hauptstadt. Das Alter der rechten Kameraden gibt sie mit „mehrheitlich zwischen 30 und 50“ an, für die Kameradschaftsszene ungewöhnlich hoch. In der rechten Hochburg Schöneweide scheuen sich Frontbann-Männer nicht einmal, ihre Uniformen auf der Straße zu tragen. So in der Brückenstraße: Ein Uniformierter, der sich „Uwe“ nennt, verabschiedet sich von zwei Gesinnungskumpanen, überquert die Straße und ruft ihnen noch etwas nach. In dieser Straße befindet sich auch die rechte Szenekneipe „Zum Henker“. Laut dem Bündnis für Demokratie und Toleranz im Bezirk Treptow-Köpenick dient diese Kneipe seit ihrer Eröffnung im Februar als „Anlauf- und Vernetzungsstelle“ der rechten Szene in der Hauptstadt und wird auch von Frontbann-Männern frequentiert. Das Bündnis macht gegen die Kneipe mobil.

Seit es sie gibt, häufen sich rechte Straftaten in der Brückenstraße, und Gewerbetreibende mit Migrationshintergrund werden ein­ge­schüchtert. „Wir dürfen nicht zulassen, dass sich rechte Strukturen verfestigen“, sagt Bündnis-Sprecher Hans Erxleben. Bezirksbürgermeisterin Gabriele Schöttler (SPD) hat sich mit dem Vermieter in Verbindung gesetzt. Ziel: Die Schließung der Kneipe.

Mit einem Verbot von Frontbann 24 und einer möglichen Schließung des „Henker“ lassen sich allerdings lediglich die Organisationsstrukturen zerschlagen, aus denen heraus die rechte Szene agiert. Die Gesinnung bleibt, und neue Organisationen und Treffpunkte lassen sich sicher finden. Aber immerhin: Die Rechten werden verunsichert, und ihre Mobbing­opfer erfahren, dass sie nicht alles hinnehmen müssen.

Text: Marina Mai

Das Buch gegen Nazis: Rechtsextremismus – Was man wissen muss und wie man sich wehren kann, Holger Kulick, Toralf Staud (Hg.), Kiepenheuer & Witsch, 303 Seiten, 12,95 Euro

weitere Bücher:

ULTRAS, KUTTEN, HOOLIGANS



Mehr über Cookies erfahren