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Frühlings-Makeover für Möbel

Frühlings-Makeover für Möbel

Wenn die Frühlingsonnenstrahlen dazu mahnen, auch die letzte weihnacht­liche Glitzerkugel endlich ins Exil zu schicken, ist das Anlass genug, sich zu Hause mit innerem Abstand umzusehen. Man gewöhnt sich an so vieles, und irgendwann sieht man den heimischen Grauschleier nicht mehr, man lebt mit ihm. Schluss damit! Die Zeit ist reif. Wenn man die Sache grundsätzlich angehen möchte, wäre zu überlegen, ob die nicht mehr ganz so weißen Wände ­einen farbigen Anstrich bekommen könnten. In Filmen, vorzugsweise aus dem englischsprachigen Raum, sieht das immer ziemlich gut aus. Aber zugegeben, man kann schon Angst vor der eigenen Courage bekommen: zum Beispiel beim Öffnen des gerade angemischten Farbeimers mit dem RAL-Farbton 5019, der den verheißungsvollen Namen Capriblau trägt. Da entfaltet sich kein Mittelmeerpanorama vor dem inneren Auge, sondern ganz real eine wenig ansprechende schlumpfblaue Suppe, die auch noch streng riecht. Eben noch schien das eine geradezu euphorisierende Idee – plötzlich siegen Kleingeist und Bedenkenträger in einem. Kann das gutgehen? Jeden Tag ins Blaue schauen, und ausgerechnet in dieses Blau, das man aus schier unendlichen Varianten auf briefmarkengroßen Farbfeldern nach langem Abwägen ausgesucht hat?
Wäre nicht doch das Meerblau, Taubenblau, Himmelblau, Verkehrsblau, Türkisblau, ­Ozeanblau, Fernblau, Nachtblau, Pastellblau oder der zart violette Veilchenton oder – ganz anders – ein sonniges Rapsgelb die bessere Wahl gewesen? Mag sein oder auch nicht. Der Gedanke, Farbe in die Wohnung einziehen zu lassen, ist auf jeden Fall ein guter. Farben geben einer Wohnung Persönlichkeit, schaffen Atmosphäre, beeinflussen das Tageslicht, lassen Räume größer oder intimer wirken. Und vielleicht macht im capriblauen Schlafzimmer tatsächlich gedanklich ein leises Meeres­rauschen das Einschlafen leichter. ­Ganz sicher macht es Sinn, sich bei der Farbwahl mit einem Experten zu besprechen und vor der finalen Entscheidung mit einen Probeanstrich zu testen, wie die Lieblingsfarbe auf größerer Fläche wirkt. Instinktiv werden hierzulande gerne die Primärfarben Rot, Blau, Gelb oder Grün gewählt. Dabei sind es Zwischentöne, die einen Raum schmücken und Einrichtung und Wohnaccessoires besonders schön zur Geltung bringen. Die Farben von Farrow & Ball aus England sind eine gute ­Inspiration oder auch die Farbklaviaturen des Architekten, Möbeldesigners und Künstlers Le Corbusier.
Man kann die heimischen Farbkorrekturen aber auch behutsamer angehen. Farbige Wohnaccessoires, Kissen, Kerzen, Vasen, Decken genügen oft auch schon, um den Frühling optisch einzuläuten. Die Trendexperten von Pantone sind die wohl weltweit bekanntesten Farbspezialisten. Sie beraten Kunden aus so gut wie allen Lifestylebereichen. Ihre Farben des Jahres 2016 heißen "Rose Quartz", "Serenety", "Buttercup", "Snorkle Blue" oder auch "Lilac Gray". Bis auf das kräftige Gelb von "Buttercup" sind es eher gedecktere Pastelltöne, die in dieser Saison den Trend bestimmen. Miteinander wirken sie aber modern und frisch. "Rose Quartz" etwa, dieses warme, ­helle Rosa, kombiniert mit dem sanften, kühleren Hellblau des Tons "Serenity", überzeugt auf Anhieb. Korallentöne und Türkis, ein violettes Grau, Grasgrün: Die Kontraste machen den Reiz aus. Es kommt aber darauf an, dass sie nicht brachial wirken. Das Leben ist schon stressig genug. Bei den Trendfarben geht es um Achtsamkeit und Entspannung, erklären die Farbexperten von Pantone. Aber auch das Vergnügen am Spiel mit subtilen Nuancen ist gefragt. Kissen in Rot, Rosa und Rost oder Safrangelb, pudrigem Grau und Türkis mit­einander kombiniert, lassen das alte Sofa sofort ganz neu aussehen. Dazu gibt es einen Trend zu Kleinmöbeln – also Hockern, Sesselchen, Beistelltischen und kleinen Lampen. Sie alle können den entscheidenden Farbtupfer in die Wohnung bringen, ohne dass man gleich komplett ­renovieren muss. ­Unkompliziert Frühlingslaune macht übrigens auch ganz einfach ein schöner bunter Blumenstrauß auf dem Tisch.

Text: Nikolas Feireiss

Foto: Kartell Group

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