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„Geberlaune“ von Erik Heier

Erik Heier
Aber ab Herbst müssen die bekanntlich chronisch unterbeschäftigten Ordnungsamtsmit­arbeiter nicht mehr vor lauter Langeweile den ganzen Tag auf Bußgeldzettelvordrucken herumkauen. Dann soll eine neue Verordnung aus dem Hause Henkel in Kraft treten, die das Betteln durch Kinder und in Begleitung von Kindern verbietet. Ausgenommen
sind nur Sternsinger, die Klassenkassenbeaufragten von Schulkassen und Halloween-Kinder. Wo treibt sich eigentlich gerade die Kelly-Family herum? Egal. Zur Durchsetzung dieses Verbots hat der Senat besagte Ordnungsämter der Bezirke auserkoren. Die bekanntlich gar nicht mehr wissen, wohin mit dem ganzen Personal, wie man ja oft in der Zeitung nachlesen kann, wenn die Bezirksbürgermeister beim Senat nachfragen, ob es gar nichts Neues für sie zu machen gibt. Die Ordnungsämter haben nun nichts weiter zu tun, als zum Beispiel bei minderjährigen Kindern von U-Bahn-Musikanten deren Identität und die der Sorgeberechtigten festzustellen, Bußgeldbescheide von bis zu 500 Euro auszustellen und eventuell die Kinder beim Kindernotdienst abzugeben. Weil es dazu kein zusätzliches Personal braucht, bekommen die Bezirke auch keines.
Und jetzt Ironie wieder aus. Wenn Henkel vorhat, Bettelkinder aus dem Stadtbild zu räumen, mag die Idee Sinn machen. Wenn er ihnen dagegen helfen will, eher nicht.

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