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„Geht beiseite, ihr Tür-Trottel!“ von Erik Heier

Erik Heier
So, es reicht. Ich weiß nicht, wer mir den Rest gegeben hat. Vielleicht die Frau am U-Bahnhof Alexanderplatz, die sich keinen Zentimeter in den fast leeren Gang hinein bewegen mochte, obwohl noch ein halbes Dutzend Menschen durch die Tür in den Wagen wollte, ich zum Beispiel. Oder der Radfahrer, der am Rosa-Luxemburg-Platz sein Angebervehikel durch das Menschen­knäuel in das Fahrradabteil drückte und genau eine – eine verdammte einzige – Sta­tion später mit allem Gedränge, Geschubse und Geschimpfe wieder ausstieg. Vielleicht war es auch die Kleingruppe von Freunden der akustischen Wirklichkeitsverachtung, die unter ihren Kopfhörern auf dem Bahnsteig am Kottbusser Tor der sich öffnenden Tür mit stoischer Uninteressiertheit entgegen­äugte und sich keinen Deut um die ums Aussteigen kämpfenden Fahrgäste wie mich kümmerte. Jetzt jedenfalls ist das Maß voll. Ich verstehe diese Tür-Trottel einfach nicht. Eine Fahrt in der U-Bahn, der Tram oder im Bus ist ja keine Raketen­wissenschaft. Man braucht auch keinen Führerschein dafür. Obwohl ich auf diese Idee noch mal zurückkomme, sollte jemals das von den Grünen angeregte 15-Euro-Bürgerticket kommen, oder gar der komplett freie ÖPNV, den sich die Piraten erträumen. Es gibt im Nahverkehr nur wenige grund­legende Regeln. Eine davon habe ich schon als Kind gelernt. Erst aussteigen lassen. Das ist doch schon mal ein guter Anfang. Erst. Aussteigen. Lassen. Und dann einfach mal nicht wie festgetackert an der Tür stehen bleiben. Denn, liebe Vollpfosten des öffentlichen Nahverkehrs, manche Dinge sind ganz simpel. Im Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn wird gebaut. Die Leute, die sonst dort entlangfahren, müssen irgendwie anders weiter. Deshalb werden die anderen Verkehrsmittel voller. Im Frühling, wenn die Touristen wieder die Rekorde bei VisitBerlin brechen, wird das nicht besser. Von Ostern ganz zu schweigen. Außerdem hat die BVG gerade ein paar Wagen zu wenig. Da hatte man auf Hilfe aus Hamburg gehofft, aber was hat Hamburg jemals für Berlin getan? Anfang des Jahres haben sich in New York und dann auch hier alle wie blöd über breitbeinig sitzende Männer in der U-Bahn aufgeregt. Ich habe nichts gegen breitbeinig sitzende Männer in der U-Bahn. Die stehen dann wenigstens nicht doof an der Tür herum.

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