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100 Jahre Novemberrevolution

George Grosz im Bröhan-Museum

Nicht nur dicke Kapitalisten: George Grosz zeigt sich im Bröhan-Museum überraschend facettenreich

Estate of George Grosz, Princeton, N.J. / VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Von George Grosz, unter den künstlerischen Enfant terribles der Weimarer Republik vielleicht der begabteste Bürgerschreck, zeigt das Bröhan-Museum in einer Retrospektive mehr als nur seine dicken Kapitalisten. Die sind zwar auch in vielen Varianten dabei, denn Grosz, dreimal angeklagt, unter anderem wegen Beleidigung der Reichswehr, und im Dauerzoff mit allen Autoritäten der damaligen Zeit, hat bis zu seiner Emigration 1933 immer enorme Energie und Kraft für seine künstlerischen Arbeiten aus den gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten gezogen und sie auf den Punkt kommentiert. Die Zeit nach der Revolution 1918/19 mit den Umwälzungen, die damit einhergingen, war sicher seine wichtigste Zeit als Kritiker dieser Verhältnisse. Das zeigt das Bröhan auch, und deshalb ist die Ausstellung Teil des in Berlin ausgerufenen Themenwinters „100 Jahre Revolution“.

Aber die Schau, kuratiert von Inga Remmers, begleitet auch durch Grosz weiteres, nicht ganz so bekanntes Leben. Und zeigt ihn nicht nur als den gnadenlosen Karikaturisten, als der er heute berühmt ist, sondern auch als Maler, Kostüm – und Bühnenbildner. Und als Visionär, der den drohenden Untergang seines Landes bereits 1934 vorausgesehen hat, sein Werk „The Menace“ zeigt Hitler da schon als alles zerstörendes Ungeheuer, seine Arbeit „Cain or Hitler in Hell“ aus dem Jahr 1944 dann die Vollendung der Katastrophe in lodernd-düsteren Ölfarben.

Aber die Ausstellung hat auch, und das ist bei Grosz so nicht zu erwarten gewesen, leichte und heitere Aspekt. So zeigt sie den liebevollen Familienvater, der seinen Kindern die Übersiedlung nach Amerika als Abenteuerfahrt illustriert oder das mit Collagen der Pop-Art spielende Spätwerk in New York. Insgesamt soll die Retrospektive, die in Zusammenarbeit mit Ralph Jentsch, dem Nachlassverwalter vom George Grosz entstanden ist, helfen, ein eigenes Museum für den Künstler, dessen Werke Deutschland- und USA-weit verstreut sind, zu realisieren. Nach dem Rundgang steht fest, dass er das auch durchaus verdient hätte.

Bröhan-Museum Schlossstr. 1a, Charlottenburg, Di–So 10–18 Uhr, bis 6.1.2019

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