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„Gerüchte“ von Erik Heier


Kennen Sie diesen Satz noch? „Das halte ich für ein Gerücht!“ War einst ein Synonym für: „Glaube ich nicht!“ Steht dieser Tage dagegen eher für: „Glaube ich sofort!“ Und ab geht die Hysterie. Die sozialen Netzwerke werden zu asozialen Fetzwerken. Das digitale Gemetzel. Festtage für Trolle. Wenn es auch nur eine Lehre aus den beiden irrsinnigsten Gerüchten der letzten Wochen gibt – die angeblich von Migranten vergewaltigte 13-Jährige aus Marzahn und der vermeintlich verstorbene syrische Flüchtling am Lageso –, dann die: einfach mal die Klappe halten. Früher wurden sie von den Propaganda-Abteilungen kriegführender Staaten in die Welt gesetzt. Heute reichen dafür ein verwirrter oder auch bekloppter Facebook-Post und ein paar Erregungsexperten, die ihn verbreiten.

Es gab unbeschreibliche Kommentarschlachten, als die Polizei via Facebook eine Entführung und Vergewaltigung ausschloss. Was sich schließlich als vollumfänglich korrekt erwies, sodass Russlands Außenminister für seine Vertuschungsvorwürfe eigentlich mit einem Entschuldigungsstrauß Blumen am Platz der Luftbrücke bei der Berliner Polizei aufkreuzen müsste. Aber auch „Moabit hilft“ ist ihre allzu schnelle Empörungseskalation auf die – letztlich in ihrer ganzen komplexen Entstehung tragische – Falschnachricht vom toten Flüchtling sicher eine Lehre. Und hoffentlich achtet jemand auf den Helfer, der die Nerven verlor. Letztlich bewahrten bei beiden Fällen diejenigen kühlen Kopf, denen die Trollköpfe gern ein „Vertuschen der Wahrheit“ vorwerfen: die Behörden und die Medien. Und das ist jetzt kein Gerücht.

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