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Geschichtsträchtiges Bernau

Bernau ist eine Stadt mit Geschichte, in der Berlin nicht vorkommt: Die Stadtmauer (14. Jahrhundert) und ihre Inschriften erzählen vom Verteidigungskampf gegen die Hussitenritter und deren einäugigen Feldherrn Jan Zizka, es gibt einen „Hungerturm“ für Verbrecher, putzige Fachwerkhäuser – und der Dorfhenker lebte in einem eigenen Haus, dem zum Museum umgestalteten Henkershaus. Die Bernauer sind dementsprechend stolz auf ihre Leute und darauf, wen sie früher alles in die Flucht geschlagen haben. Das klappt heute auch noch. Die Bernauer Uns-kann-keiner-was-Haltung bekommt der Tourist schon auf dem Gleis zu spüren.

Im S-Bahn-Imbiss: „Entschuldigen Sie, welche Sehenswürdigkeiten würden Sie mir hier empfehlen?“ – „Sehenswürdigkeiten? Fahren Sie doch am besten zurück nach Berlin!“ Und das war gar nicht unfreundlich gemeint. Die Leute haben einfach keine Lust auf Geschichtsvorträge. Diese Geschichtsmüdigkeit findet man sogar bei denjenigen Bernauern, die mit Geschichte arbeiten. Frage an die freundliche Museumsangestellte im Henkershaus, die vertieft in ein Buch am Eingangstisch sitzt: „Diese Leinwand dort, die Schlacht bei Mühldorf, hatten die Bernauer dort gekämpft?“
„Nö.“
„???“
„!!!“
„Aber warum hängt …?“
„Sieht einfach gut aus neben den Schwertern in der Vitrine daneben.“ Und steckt die Nase wieder in ihr Buch. Beruhigend, dass es die Bernauer manchmal nicht allzu genau mit ihrer Geschichte nehmen. Tatsächlich haben sie auch ihre Leichen im Keller. Im Untergeschoss des Henkershauses: Mordinstrumente, „Schandmasken“ für Verurteilte, detaillierte Illustrationen von Foltermethoden sowie der Totenschädel eines Giftmörders. Alles in Bernau passiert. Nichts wie raus hier!

Text: Sassan Niasseri

Anreise ab Friedrichstraße 36 Minuten
Aktivitäten Beliebtes Ausflugsziel der Berliner ist der zehn Kilometer von Bernau entfernte Liepnitzsee. Er ist sogar dermaßen beliebt, dass man dort im Sommer glaubt, im Prenzl’berger Mauerpark zu liegen, Bongospieler inklusive. Ändert natürlich nichts an der Schönheit des Sees
Sehenswertes Heimatmuseum mit den Standorten Steintor (Berliner Straße, Di-Fr 9-12 & 14-17 Uhr, Sa+So 10-13 & 14-17 Uhr) und Henkerhaus (Am Henkerhaus, Di-Fr 9-12 & 13-17 Uhr, Sa+So 10-13 & 14-17 Uhr)
Kulinarisches Angebot Regionale Köstlichkeiten? Nichts gefunden. Stattdessen: Bahnhofsflair dank Asia-Imbissen und Kebab-Wellblechbuden.
Besser nicht Die Bernauer auf ihre Sehenswürdigkeiten ansprechen (siehe oben)
Infos www.bernau.de

Gesamtwertung sehenswert

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