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Geschwister Pfister im Interview

Geschwister Pfister im Interview

tip Die letzte Mischa-Spoliansky-Revue, vor 13 Jahren an der Neuköllner Oper, wurde kurz nach der Premiere von den Erben untersagt. Ist die Rechte-Frage diesmal geklärt?
Toni Pfister Die Rechte liegen bei Felix Bloch Erben. Die freuen sich schon auf die Premiere.
Ursli Pfister?Wir haben einige Songs sogar von woanders her importieren dürfen. Schließlich müssen wir dafür sorgen, dass die Show auch ein bisschen Pfister-like wird.

tip "Heute Nacht oder nie" war eigentlich ein Filmschlager von Spoliansky, gesungen von Jan Kiepura. Keine Revue!
Ursli Pfister?Stimmt, stört uns aber nicht weiter. All die Filme von damals, ob nun "Clivia", "Ball im Savoy" oder "Frau Luna", hatten mit den Stücken auch wenig zu tun.
Andreja Schneider?Ich würde mal sagen: Das Lied ist ein Lied. Und wir machen unser eigenes Lied daraus.

tip Für den Intendanten  Barrie Kosky ist "Heute Nacht oder nie" eine wichtige Produktion. Sie macht darauf aufmerksam, dass die alte Komische Oper, wie Fritzi Massary sagte, "kein Operetten-, sondern ein Revue-Theater" war!
Ursli Pfister?Wir wussten das nicht, waren aber hochbeglückt, als uns Kosky bei einem Abendessen im "Grill Royal" plötzlich eröffnete: "Und nächstes Jahr hätte ich gerne eine Spoliansky-Revue von euch."
Andreja Schneider Was wir machen, war eigentlich immer schon Revue. Nur wissen wir erst jetzt endlich, was wir im Hotel als Tätigkeitsbezeichnung angeben können: "Beruf: Revuestar"!
Ursli Pfister?ein Leben hat dadurch endlich doch noch einen würdigen Titel bekommen. Nebenbei: "Posse mit Gesang" fände ich auch ganz hübsch.

tip In Spoliansky-Revuen begannen Marlene Dietrich, Margo Lion und andere ihre Karriere. Kommen die vor?
Toni Pfister?Wir haben Figuren, wir haben Tänzer, und wir haben ein Orchester. Aber Prominenten-Parodien wie in der Toskana-Show oder bei "Servus Peter – Oh lа lа Mireille!" gibt es nicht. Ursli muss sich die ultimative Marlene-Nummer verkneifen.
Ursli Pfister?Ich war auch eher ein Margo Lion-Fan, als ich klein war. Und von Nina Hagen! Übrigens haben wir bei dieser Produktion auch noch einen Ort, der ein Cafй sein könnte oder ein Tanzlokal oder ein anonymer Platz.
Andreja Schneider?Ein Traum von Luxus …
Ursli Pfister?Hör doch auf, dafür sind wir zu abgebrüht! Eigentlich ist es ja so: In die Revue dürfen traditionell auch Leute, die es in der Operette nicht geschafft haben. Zum Beispiel wir (lacht).

tip In Wirklichkeit hat der Wechsel von der kleinen Bar jeder Vernunft zur großen Komischen Oper schon bei "Clivia" erstaunlich gut geklappt. Wieso?
Toni Pfister?Weil wie davor schon im Münchner Deutschen Theater und am Gärtnerplatz waren. Und zuletzt in Wiesbaden, das war das größte Haus. Gar nicht einfach! Weil man über den riesigen Orchestergraben hinwegspielen muss.
Andreja Schneider?Der Reiz unserer bisherigen Shows bestand ja eigentlich in der Behauptung: Unser Nudelbrett ist die ganze Welt! Damit ist es jetzt aus und vorbei.

tip Bedeuten diese szenischen Produktionen, dass es inzwischen schwieriger wird, eigene Programme für die Pfisters zu erfinden?
Toni Pfister?Nö, da liegen noch genug Projekte auf Halde. Im Oktober startet erstmal "Frau Luna" im Tipi – mit uns sowie mit Pigor und Eichhorn als Steppke und Lämmermeier, mit Cora Frost als Venus und Ades Zabel als Mondgroom. Gustav Peter Wöhler spielt den Prinz Sternschnuppe und Andreja die Titelrolle…
Ursli Pfister?Und wer bin ich wohl? Richtig: Frau Pusebach. Mein Debüt als Brigitte Mira!
Toni Pfister?Und 2017 folgt unser ‚Heurigen-Abend’ in der Bar jeder Vernunft – als Hommage an das Duo Czapek. Total unbekannt! Ich war entsetzt, als Ursli mit dieser Idee angelaufen kam.
Ursli Pfister?(vorwurfsvoll): Mir sind die Tränen gekommen, als ich das Duo Czapek gehört habe.

tip Wir schafft man es, so lange erfolgreich zusammen zu bleiben wie Sie?
Ursli Pfister?Erstens, wir kriegen nur Operettengagen. Opern-Gagen sind höher! Wir geben auch keine Abschiedsküsschen, wenn wir von einer Tournee zurückkommen.
Toni Pfister?Unser Erfolg besteht in einer gesunden, aber deutlichen Hierarchie. Ursli ist für das Künstlerische zuständig und ich für das Management.
Andreja Schneider?Und ich sitze als Mutter Courage der Truppe resolut dazwischen. Unser Geheimnis ist: Privat sind wir total langweilig.
Toni Pfister?Und die Kostüme schmeißen wir nachher meistens weg. Die verrotten sonst allmählich.
Ursli Pfister?Außer, wir hätten einen so schönen, begehbaren Kostüm-Humidor im Keller wie die Kessler-Zwillinge, die wir kürzlich besucht haben. Aber dann würde hier sowieso einiges anders laufen…
Andreja Schneider?Ja, darauf kannst du Gift nehmen.

Interview: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Jan Windszus Photography

Komische Oper Berlin Fr 1.4., Sa 9.4., jeweils 19.30 Uhr, ?Karten-Tel. 47 99 74 00, 12–92 Euro

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