• Kultur
  • Gespräch mit der neuen Chefin des ­Brücke-Museums Lisa Marei Schmidt

Museum

Gespräch mit der neuen Chefin des ­Brücke-Museums Lisa Marei Schmidt

„Wir wollen uns offenen Fragen widmen“ – Die 39-jährige Kunsthistorikerin Lisa Marei Schmidt ist ab 1. Oktober die neue Chefin des ­Brücke-Museums, das derzeit sein 50-jähriges Bestehen mit einer Sonderausstellung feiert

Brücke-Museum Berlin, Foto: Stefan Büchner

tip Die Leitung des Brücke-Museums zu übernehmen, dürfte ein Traumjob sein, oder?
Lisa Marei Schmidt Ja, es ist eine Freude und eine große Herausforderung.

tip Sie haben bisher im Hamburger Bahnhof im Bereich der zeitgenössischen Kunst gearbeitet. Welche Ausstellungsideen wollen Sie im Brücke-Museum realisieren?
Lisa Marei Schmidt Es geht mir um die Öffnung des Museums. Ich möchte externe Wissenschaftler, Kuratoren und Künstler einladen, mit dieser großartigen Sammlung aus unterschiedlichen Perspektiven zu arbeiten und sie so in die Gegenwart zu holen. Es gibt von vielen Seiten ein lebendiges Interesse an der Brücke-Kunst. Das konnte ich in ersten Vorgesprächen bereits erfahren. Darüber hinaus interessiert mich die wunderbare Architektur von Werner Düttmann. Mehr zu konkreten Ausstellungsideen möchte ich aber erst Ende des Jahres sagen, wenn sie mit dem Museumsteam weiter ausgearbeitet sind.

tip Sie könnten sich also vorstellen Fritz Bleyl, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Otto Mueller, Karl Schmidt-Rottluff und Max Pechstein, die als Gruppe zwischen 1905 und 1913 zusammenarbeiteten, in einen größeren Kontext einzubetten?
Lisa Marei Schmidt Ja, durchaus. Dieser muss auch nicht zeitlich begrenzt sein. Im Brücke-Museum wird man immer die Werke der Brücke-Künstler zu sehen bekommen, aber doch öfter auch im Dialog mit ihren Zeitgenossen aus anderen Teilen der Welt und zeitgenössischen Künstlern.

tip Gibt es einen Aspekt der Klassischen Moderne, der noch nicht beleuchtet wurde?
Lisa Marei Schmidt Es geht auch weiterhin eine große Faszination von der Klassischen Moderne aus und es gibt auch immer noch offene Fragen, denen wir uns widmen wollen.

tip In diesem Jahr feiert das Brücke-Museum, das auf Schenkungen der Künstler Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel zurückgeht, 50-jähriges Bestehen. Die Jubiläumsschau, die ihre Vorgängerin Magdalena Moeller kuratiert hat, versammelt Highlights aus dem Bestand von rund 400 Gemälden und Skulpturen sowie mehreren Tausend Druck-Grafiken und Zeichnungen. Werden Sie künftig auch mit Leihgaben arbeiten?
Lisa Marei Schmidt Wenn es sinnvoll ist, ja. Für neue Erkenntnisse sind Leihgaben oft notwendig. Der Austausch mit anderen Institutionen ist zudem grundlegend für die eigene Arbeit mit der Sammlung.

tip Die Sammlung des Brücke-Museums ist seit der Restitution von Kirchners Gemälde „Berliner Straßenszene“ um eine Haupt­attraktion ärmer. Mit Grafiken lässt sich weniger leicht auftrumpfen. Wie können Sie dem Dilemma begegnen?
Lisa Marei Schmidt Die Ausstellungen, die wir im Brücke-Museum realisieren werden, sollen grundsätzlich so attraktiv gestaltet sein, dass wir viele Besucher erreichen, vor allem auch neue, die das Museum noch gar nicht im Blick hatten. Glücklicherweise war Kirchners „Berliner Straßenszene“ nicht das einzige hochkarätige Werk in der Sammlung. Es gibt viele weitere Werke mit großer Strahlkraft, etwa Kirchners „Marcella“. Meine Vorgängerin, Magdalena Moeller, hat die Sammlung stetig erweitert, sodass ich einen Schatz an Gemälden, aber auch Zeichnungen und Grafik zur Verfügung habe. Mich interessieren besonders die Dokumente, die noch im Depot schlummern, beispielsweise die Korrespondenzen der Künstler, die ja auch immer einen neuen Zugang zu einer Persönlichkeit und ihrem Werk ermöglichen.

50 Jahre Brücke-Museum – die Jubiläumsausstellung Brücke-Museum, Bussardsteig 9, Dahlem,
Mi – Mo 11 –17 Uhr, bis 7.1.1

Mehr über Cookies erfahren