Kultur

Gestrickte Laute

TrikotonT-Shirts mit nervigen Sprüchen begegnen einem ständig. „Nackt sehe ich noch besser aus“ oder „Ich bin eigentlich ein ganz Netter“ liest man an Leuten in der U-Bahn, die einem sonst nie aufgefallen wären. Auch das Label „trikoton“ bringt Statements und Geständnisse auf Klamotten. Aber lesen muss die Texte niemand, denn sie sind nur als eine Art Lochkartenmuster sichtbar. Die Produktdesignerin Hanna Wiesener und die Modedesignerin Magdalena Kohler haben eine Maschine erfunden, die nach Stimmen strickt. Nicht nur, was jemand zu sagen hat, sondern auch, wie er es sagt, wird zum individuellen Strickmuster auf einem Kleidungsstück. Für ein Uni-Projekt hatten die beiden UdK-Absolventinnen zunächst eine Strickmaschine aus den 70er-Jahren umgebaut und an ein Laptop angeschlossen. Mit dem Computer nahmen sie Stimmen auf, ein Programm wandelte das Gesagte in binäre Codes um, und die Maschine fertigte dann das Muster an. Mittlerweile hat das Stricken jedoch eine Industriestrickerei in Thüringen übernommen.
Auf der trikoton-Website kann man seine Texte einsprechen, man sollte auf jeden Fall ein paar Trockenübungen machen, bevor man die Liebeserklärung zum Stricken freigibt. Die Redezeit ist begrenzt: Für einen Pulli hat man etwa eine Minute, für einen Schal rund drei Minuten. Wer lieber auf Nummer sicher gehen will, kann auch einfach einen fertig besprochenen Pulli, etwa mit einem Textausschnitt von Paul Auster, kaufen. Für den Sommer ist eine Kollektion mit Zitaten aus Filmen und Songtexten geplant.        

Text: Katharina Wagner

www.trikoton.com ?Ein selbst besprochener Pulli kostet ?zwischen 150 und 170 Euro. Fertige Rede-?kunstwerke gibt es über die Homepage, im ?Berlinomat und im Temporary Showroom

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