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Gustav-Heinemann-Friedenspreis 2013 für Anna Kuschnarowa

Anna KuschnarowaEs sind keine guten Umstände, unter denen Jengo Longomba, ein kongolesischer Junge geboren wird: Seine Mutter – eigentlich noch viel zu jung, sein Vater – glänzt durch Abwesenheit und seine Oma – eine abergläubische, gehässige Frau. Dass es in der Nacht seiner Geburt in Kinshasa auch noch wie verrückt gewittert, wertet die Großmutter als eindeutiges Omen: Der Junge muss verhext sein.
Der Missachtung, dem Spott, aber auch der Gewalt durch seine Umwelt entflieht der Schüler Jengo, indem er das Boxen für sich entdeckt und davon träumt, in die Fußstapfen von Muhammad Ali treten zu können. Dieser hatte 1974 im Stadion von Kinshasa nicht nur zum „Rumble in the Djungle“ geladen, sondern den legendären Kampf gegen den vermeintlich stärkeren George Forman auch spektakulär gewonnen.
Trotzdem bietet die Flucht in den Sport Jengo nur vorübergehend Trost und Schutz. Als sein Vater stirbt und die Familie endgültig auseinanderfällt wird der religiöse Wahn der Großmutter für den Jungen lebensbedrohlich. Gemeinsam mit einem Freund macht er sich auf den äußerst gefährlichen Weg zur afrikanischen Seite des Mittelmeers, von wo aus er, wie tausende von seinen Leidensgenossen illegal und unter Einsatz seines Lebens zur Überfahrt nach Europa ansetzt.
Weil Anna Kuschnarowa, die Autorin des Jugendbuches „Kinshasa Dreams“, Jengos Lebensumstände nicht nur sehr plastisch nachzeichnet, sondern der jungen Leserschaft auch eine aktuelle, globale Problematik – Flucht, Asyl, Illegalität – anschaulich nahebringt, wurde sie nun mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher 2013 geehrt, der mit 7.500 Euro dotiert ist.  Die Verleihung fand am Mittwoch, den 11. Dezember um 16 Uhr in der Landesvertretung von Nordrhein-Westfalen statt.

Text: Eva Apraku

Kinshasa Dreams

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