• Kultur
  • „Gute Nacht du falsche Welt“

Kultur

„Gute Nacht du falsche Welt“

GuteNachtOb es ein Zufall ist, dass Sophie Rois mit Anzug, Hut und Zigarette ein wenig wie die vor Kurzem verstorbene Tänzerin und Choreo­grafin Pina Bausch aussieht? Gut, sie tanzt nicht, und sie bewegt niemanden außer sich selbst, aber die Ähnlichkeit ist nicht zu leugnen. Zumal die Aufführung im Prater, mit der die Volksbühne ihre neue Saison eröffnet, „Gute Nacht, du falsche Welt“ heißt – Untertitel „Adieu in vier Szenen von Puschkin, Schikaneder und Troike“.
Nach 15 Jahren also arbeitet der Bühnenbildner, Regisseur, Theaterautor, Maler und Jazz-Musiker Gero Troike wieder an dem Haus, dem er lange Zeit verbunden war. Die Wiederkehr indes kleidet sich thematisch in diverse gesteigerte Arrangements des Abschieds. Doch obwohl es stets ums Sterben geht, sind die surrealen Bilder oft mit groteskem Humor und bizarrem Witz gezeichnet. Von Au­tounglücken ist die Rede und vom Unfalltod Albert Camus’, von einem Gelage während der Pestzeit und von der bis zum Mord reichenden Eifersucht unter Künstlern. Es tauchen der Fotograf Man Ray auf, ein blinder Geiger (Uwe Hilprecht) und ein verschlafener, ziemlich wortkarger Papageno (Sebastian König) aus Mozarts „Zauberflöte“.
Neben Sophie Rois unter anderem als Salieri glänzt Anne Ratte-Polle als Mozart. Das hübsche Bühnenbild ist bewusst einfach und provisorisch gehalten, es wird offen umgebaut und per Akkuschrauber zwischendurch vernehmlich befestigt. Auch als Regisseur pflegt Gero Troike einen wirklich handgemachten Begriff von Theater, und den Darstellern scheint der nach den vielen Volks­bühnen-Inszenierungen mit dem exzessiven Einsatz von Livekamera und Videoprojektionen zu gefallen. Dass der zweistündige Abend dennoch nicht so recht zündet, liegt an der Unverbindlichkeit, mit der er trotz seiner knalligen Krisen- und Katastrophenkuriosa vor sich hin plätschert. Hier ein kleiner Scherz und ein heiteres Detail, dort eine Stummfilmsequenz oder eine Kollision in Zeitlupe. Alles sehr nett, aber nichts davon ist eindringlich, von zwingend gar nicht zu reden. Die Bühne wird schön beleuchtet, hat allerdings eigentlich nichts zu zeigen – wenig Lärm um nichts.
Irene Bazinger

(tip-Bewertung: Zwiespältig)

Gute Nacht, du falsche Welt
im Prater, Kastanienallee 7-9, Mitte,
18.9., 2., 29.10., 19.30 Uhr,
Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

Weitere Theaterrezensionen

Wahlverwandschaften

Teheran Banou: lady Teheran 

Mehr über Cookies erfahren