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Neue Dramatik

Gutmenschen, Georgier, EU-Beamte und andere Jedermänner: Autorentheatertage 2018

Was macht die Gegenwartsdramatik? Vorläufige Antworten geben wie jedes Jahr die Autorentheatertage

Das hässliche Universum

Manchmal funktioniert Theater wie eine Art Radar der Zeitgenossenschaft, ein Radar, der andere Nöte, Konflikte, Sehnsüchte ortet als die etwas gröberen Messgeräte der Medien. Ob und wie das mit neuen Theaterstücken geht, nämlich mal besser, mal schlechter, mal genauer, mal prätentiöser, mal überraschender, mal klischeefreudiger, erkunden seit vielen Jahren die Autorentheatertage. DT-Intendant Ulricht Khuon hatte sie von seiner früheren Wirkungsstätte, dem Hamburger Thalia Theater, ans Deutsche Theater mitgebracht.

Tiefenbohrungen halten die Gastspiele aus Osteuropa parat: „Auf der Folie von Mythen und Klassikern untersuchen sie Vergangenheit und Gegenwart. Eine junge Generation von Regisseuren blickt zurück in eine post-kommunistische Vergangenheit, setzt sie mit einer beunruhigenden Gegenwart ins Verhältnis und formuliert radikale Utopien für die Zukunft“ verspricht die DT-Dramaturgie. Freuen kann man sich bei den acht deutschsprachigen Gastspielen unter anderem auf die sprachspiel­eigensinnige, abgrundkomische „Jedermann“-Variation von Ferdinand Schmalz aus dem Wiener Burgtheater in der Regie Stefan Bachmanns, von dem man viel zu lange nichts in Berlin gesehen hat. Der Titel verspricht nicht zu viel: „Jedermann (stirbt)“, was zwar keine ganz neue, aber immer wieder theatralisch ergiebige Feststellung ist.
Aus dem Theater Neumarkt in Zürich kommt Tom Kühnels Bearbeitung von Robert Menasses zu Recht gefeiertem Brüssel- und EU-Roman „Die Hauptstadt“. Weil Roman-Bearbeitungen neue Dramatik offenkundig problemlos substituieren, kommt aus dem Hamburger Thalia Theater eine weitere Roman-Adaption: „Das achte Leben (Für Brilka)“ von Nino Haratischwili in der Regie von Jette Steckel. Der Stoff hat es in sich – eine Reise durch das 20.Jahrhundert, von Georgien über die Stalin-Zeit bis ins Berlin der Gegenwart. Aus dem Volkstheater Wien kommt eine alte Bekannte: Yael Ronen widmet sich gewohnt liebevoll den „Gutmenschen“.

Deutsches Theater und DT-Kammerspiele 1.–22.6, Eintritt 12–48 €

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