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Hagen Liebing über Touristen, Flüchtlinge und grüne Stadtpolitk

Hagen Liebing über Touristen, Flüchtlinge und grüne Stadtpolitk

Zugegeben, es kommen derzeit wirklich sehr viele Menschen aus fremden Ländern nach Berlin. Das mag für manche Eingeborene auch Beschwerden mit sich bringen. Aber mit etwas freundlicher Sicht auf die Dinge kann man doch auch sagen, dass diese eine Bereicherung für unsere Stadt sind. Zum einen, was den Umsatz des Gastronomie- und Hotelgewerbes betrifft, aber doch sicher auch für uns alle, die auf diesem Wege Riten und Umgangsformen kennenlernen, derer wir ansonsten nur durch eine Weltreise ansichtig geworden wären.
Natürlich schlagen manche Besucher hier in Berlin über die Stränge. Gerade in Kreuzberg, wo es schon immer leichter schien, sich Freiheiten herauszunehmen. Zuletzt hatte man manche dabei beobachten können, wie sie Zelte oder gar Hütten auf öffentlichen Plätzen errichteten. Nicht nur von heute auf morgen. Über Monate. Man denke nur mal an den Zustand der Grünanlagen! Andere wollten noch länger bleiben. Sie besetzten kurzerhand Schulen oder alte Fabriken und machten es sich dort bequem, ohne danach zu fragen, ob dort jemand, vielleicht sogar die Besitzer, mit diesen Immobilien womöglich andere Pläne habe. Und weil man in solch einer Stadt wie Berlin auch von irgendwas leben muss, verlegten sich Einzelne dieser Besucher sogar auf den Drogenhandel – auch gerne als Familienunternehmung. Bei so was kommt es dann manchmal auch zu Streit. Es gab bereits einen Toten – so etwas kann passieren, wenn manche Berlin-Besucher nicht mit den Riten anderer Berlin-Besucher einverstanden sind.
Monika Herrmann, Kreuzbergs Bürgermeisterin, hat bei dieser Problemlage anscheinend etwas die Orientierung verloren. Während sie nämlich beim dauerhaft währenden Schwebezustand, in dem sich zugezogene Asylbewerber immer noch in ihrem Bezirk befinden, eine wahrhaft Kohl’sche Aussitzermentalität an den Tag legt, die nicht nur diese speziellen Berlin-Besucher, sondern auch die Berliner selbst und ebenso die damit befasste Exekutive über Gebühr belastet, durften wir nun erfahren, dass Frau Herrmann ganz andere Dramen umtreiben.
Das Vordringlichste, was sie derzeit am Besucheransturm auf Berlin und insbe­sondere Kreuzberg zu stören scheint und wogegen sie nun auch öffentlich und entschlossen vorgehen will, ist die Geräuschbelästigung, die Rollkoffer auf ?dem Kreuzberger Pflaster verursachen. Gaga, die Lady!

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