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Hommage

Heiner Müller – Zum 90. ­Geburtstag

„Die Pest­leichen im Zuschauerraum bewegen keine Hand“ – Das Liebesleben der Hyäne: Zum 90. ­Geburtstag des Dramatikers wird in ­Berliner Theaterkantinen auf Heiner Müller getrunken

Foto: imago / Gueffroy

Eine Lieblingsvorstellung von Heiner Müller war die Theatervorstellung als Besuch aus dem Jenseits. Der Blick auf die Bühne wird zum Blick auf die Kämpfe der Untoten. Eine andere Vorstellung war hasserfüllter: Der Zuschauerraum voll mit „Pestleichen“, die „keine Hand“ rühren, egal, was die Clowns auf der Bühne auch zu ihrer Unterhaltung anstellen. In einem seiner letzten Gedichte hat er das so verdichtet: „die toten warten auf der gegenschräge / manchmal halten sie eine hand ins licht / als lebten sie eh sie sich ganz zurückziehn / in ihr gewohntes dunkel das uns blendet“. Geschrieben hat Müller das im November 1995, einen Monat vor seinem Tod am 30.Dezember 1995. Im Januar wäre er 90 Jahre alt geworden. In den 23 Jahren seit seinem Tod hat man seine Stimme, mit der er ungerührt und durchaus lustvoll die kommenden Katastrophen prognostizierte, oft vermisst.

Dass Müllers Stücke alles andere als verjährt sind, hat nicht nur mit den weiträumigen Metaphern oder damit zu tun, dass sich seine Literatur in großen Zeithorizonten bewegt und Shakespeare oder der Antike im Zweifel näher ist als der gesamten Gegenwartsliteratur.

Eine der faszinierendsten Müller-Lektüren zeigt das Exil-Ensemble im Gorki mit der „Hamletmaschine“; eine blutige Schlachtplatte serviert Michael Thalheimer mit Müllers „Macbeth“-Bearbeitung am BE. Und eine lustige Inszenierung von „Der Auftrag“ (Regie: Kuttner, Kühnel), mit Heiner Müllers Stimme aus dem Off und einer großartigen Corinna Harfouch kommt als Gastspiel im Januar an die Volksbühne.

In der Gorki-Kantine kann man am 8.Januar, nach „Hamletmaschine“, in einer langen Nacht in den Müller-Geburtstag trinken. Im BE erfährt man Näheres aus dem „Liebesleben der Hyäne“: Zur Einstimmung auf die Uraufführung von Fritz Katers „heiner 1-4“ gibt es Einblicke in die Probenarbeit. Am selben Abend lädt die Heiner-Müller-Gesellschaft zu einem sächsischen Heimatabend ins DT. Angedroht ist eine „absolut werkgetreue Lesung“ auf Sächsisch, in die Jürgen Kuttner einführt. Anschließend werden mit angemessener Gnadenlosigkeit mindestens bis zum Morgengrauen Gespräche zwischen Heiner Müller und Alexander Kluge zum Vortrag gebracht: Gesammelte Irrtümer

Berliner Ensemble „Das Liebesleben der Hyäne“, Großer Salon, Di 9.1., 20 Uhr, Eintritt frei

DT ­Kammerspiele Müllersalon, Di 9.1., 20 Uhr, Eintritt 8 €

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