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HipHop Theater Super Me im HAU

bühneDer HipHop-Tänzer Takao Baba hatte aufrichtig versucht, mit dem Tanz echtes Geld zu verdienen. „Kommerziell“, wie er sagt, tanzte er in der Welttournee der Spice Girls. So was sollte man im Leben schon mitnehmen, findet Takao.
Spätestens bei der Tanzplattform vorletztes Jahr in Hannover stieg er in den Kunstbetrieb ein. Takaos Kompanie E-Motion bewies mit der Show „2nd ID“, dass es Fame und in Folge auch Subventionen für choreografierende B-Boyz geben kann. Jetzt kommt der Nachschlag ans HAU: „Super Me“. Ein Super-Ich. So ein Ich kann sich jeder selbst basteln und bei MySpace, Xing oder sonstwo ein Profil von sich erstellen. Jede Menge Nerds zeichnen dort heldenhaft ein Selbstbild von sich, donnern sich zu Wunderknaben auf, auch wenn sie in Wahrheit nur ein kontaktarmes, asoziales Leben hin­term Computerscreen führen. „Wenn man diese Typen in echt sieht, denkt man nur: Der? Oh, Gott!“, sagt Takaos Freund Amigo.

Alle wollen „Fame“ und „Respect“. Nicht nur im HipHop. Trotz­dem: Meist ist es ein One-Way-Ticket in die Peinlichkeit. Um die zu vermeiden, gründeten der aus Japan stammende Takao Baba und der Berliner Türke Kadir „Amigo“ Memis 2003 einen Zusammenschluss von Breakdancern, eine lockere Organisation, Dance Unity, die sich gegen Kommerz und Sport wendet. Es kam eine „korrekte“ Breakdanceschule gleich unter der HAU-3-Bühne in Kreuzberg dazu, Nadia Espiritu unterrichtete in Düsseldorf am tanzhaus nrw: Basisarbeit für echten Breakdance, der unter die Räder gekommen war.
„Bei Großevents des HipHop lärmt vorn auf der großen Bühne der Rap-King mit hübschen Girls, viel Blingbling und Industrieverträgen; am anderen Ende der Halle auf ein biss­chen Fünf-mal-fünf-Meter-Fläche üben die Breaker. Die Writer, die Graffiti-Künstler können gleich zu Hause bleiben. Mit HipHop hat das, was die Medien zeigen, nichts mehr zu tun“, finden die beiden.
Mit ihrem neuen Stück suchen sie nach dem Stoff, der wirklich interessant ist: Wo steht die eigene Generation, die mit dem Kopf im Internet steckt? Steht ihr Körper nicht Kopf wie beim Headspin, erstarrt im „Freeze“? Zusammen mit Andrea Böge, der klassisch Ausgebildeten von ihnen, Lil’ Rock, dem Teacher und Philipp Bussmann, dem Videokünstler, rücken sie dem fatalsten Missverständnis der Jetztzeit auf den Leib: dass sICH angeblICH alles ums persönlICHe ICH dreht.

Text: Arnd Wesemann

Foto: Georg Schreiber

Super Me HAU 2, Hallesches Ufer 32, Kreuzberg, 7.-9.4., 20 Uhr

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