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Hito Steyerl: „After the Crash“

afterthecrashEin ohrenbetäubender Lärm empfängt die Besucher, dazu Dunkelheit vor blendendem Leinwandgetöse. Sofort entsteht die Assoziation des Zuspätkommens. Erinnerungen an Kinonächte mit zehn Filmen im Programm, bei denen man jeweils mindestens den Anfang verpasst hatte. Hito Steyerl zieht mit ihrer neuesten Arbeit „After the Crash“ alle Register. Hektische Schnitte und donnernde Crashs sind offensichtlich für abgestumpfte Sinnesorgane geschaffen. Dabei ist die Story des Flugzeugabwrack-Unternehmers in der kalifornischen Wüste spannend wie die meis­ten Themen, derer sich die Kunstfilmerin mit ihren investigativen Arbeiten annimmt. „Do you speak Spamsoc?“ heißt ein Video, in dem sie der ganz eigenen englischen Sprache auf chinesischen DVD-Raubkopien nachspürt.
Doch die Titel werden mit der Kamera abgeschwenkt, ohne große Chancen zu lassen, das, worauf mit dem Finger gezeigt wird, auch zu kapieren, bevor wieder abgeschwenkt wird. Dagegen ist die Performance „Self-suspension“ mit Asagi Ageha („In/Dependence“), die in den Seilen wie in der Luft zu schweben scheint, ein wunderbar kontemplativer Film. Sich frei fühlen und doch gebunden, Hörigkeiten und Vernetzungen, das sind Themen von Steyerls Beitrag „Lovely Andrea“, der zur 12. Documenta gezeigt wurde. Nachdem die Künstlerin als 19-Jährige ein Shooting als Bondage-Model mitgemacht hatte, begab sie sich 20 Jahre später auf die Suche nach den Fotos. Die Odyssee durch die Szene der Fesselungsunternehmen gerät zu einer halb humorvollen, halb kritischen Collage um Porno, Kunst, Politik und Abhängigkeiten.

Text: Constanze Suhr

Foto: Neuer Berliner Kunstverein/Jens Ziehe

tip-Bewertung:zwiespältig

Hito Steyerl NBK, (Adresse und Googlemap)
Di-So 12-18 Uhr, Do 12-20 Uhr, bis 18.10.

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