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Alte Hobbys, neue Lieben

Immer erreichbar. Niemals off. Rund um die Uhr unter Strom. Es hört niemals auf. Niemals? Doch. Wir schalten jetzt aus. Und schalten ab. Hobby – das Wort fühlt sich altertümlich an. Es klingt nach Hobbykellern, nach alten Bräuchen. Und es bedeutet: Entschleunigung. Kurzurlaub vom Alltag. Ein Lob der nutzlosen Dinge. Wo wir wieder ganz bei uns sind

1. Klavier – Noch reicht es nur für Bachs Präludien

Hätte meine Nachbarin keinen Kater, würde ich jetzt nicht Klavier spielen. Genauer: Immer noch nicht wieder Klavier spielen, denn ich hatte während meiner Schulzeit neun Jahre lang Unterricht und galt an der Musikschule Bad Vilbel als recht begabt. Um diesen Unterricht hatte ich lang und hart kämpfen müssen, denn meine Eltern fanden, die Blockflöte reiche als Instrument völlig aus.
Aber ich hatte beim Klimpern auf dem Klavier meiner Großtante Hilde solchen Spaß daran gefunden, dass ich nicht locker ließ, und irgendwann ein Klavier des Berliner Herstellers May ins Haus kam, allerdings sofort in den Keller verbannt wurde. In den Hobby­raum. Ein Wort, zu dem ich seither keine gute Beziehung habe. Im Hobbyraum habe ich es dann immerhin zu Mozart, Bach, Chopin und Bartók gebracht. Musik setzt Emotionen frei, und bringt Emotionen in die Balance. Es mag an dem anfänglichen Widerstand meiner Eltern gelegen haben, dass ich meine Klavierstunden gewissermaßen in Opposition zu ihnen nahm und so bis zum Abitur durchhielt.
Dann zog ich zum Studium nach Berlin in eine WG. Mehr Gepäck, als in einen Koffer passte, fand ich überflüssig. Klavier zu spielen konnte ich mir in all den Altbauwohnungen, in denen ich seitdem gewohnt habe, nicht vorstellen. Zu laut. Wobei immer eine Rest Sehnsucht danach da war. Bis unsere Nachbarin, eine Schauspielerin, länger in Köln drehte. Wir fütterten ihren Kater. Und spielten ihr Klavier. Ein mechanisches Klavier, das aber auch elektronisch mit Kopfhörern gespielt werden kann. „Any Time“ war die technische Lösung meines Problems. Und der Vater meiner Nachbarin Klavierhändler.
Noch reicht es zwar gerade mal für Bachs Präludien. Aber nur, wenn ich an nichts, und zwar wirklich nichts anders denke.  Tschüss Welt. Ich spiel’ jetzt mal Klavier. Stefanie Dörre

http://www.klavierunterricht.org/Berlin_Klavierlehrer/Musikschule_Berlin.html
http://klavierschule-berenstein.com/

Madame TamTam

2. Reiten  – Wir hören breite Pferdezähne zufrieden mahlen
Zwar bestimmen den Ruf  des Reitsports widersprüchliche Ansichten, etwa, dass er Autismus therapiere und die Rückenmuskulatur stärke, dass er Zen-Zustände fördere. Und auch, dass Reiten etwas für zickige Töchter reicher Leute sei, Trainer Tiere knechten, reifere Damen im Sattel ein unbefriedigtes Verlangen nach Macht und Kontrolle ausleben und dass das Leben kein Ponyhof sei. Doch dem Realitätscheck halten solche Theorien von Stall zu Stall und Pferd zu Pferd nur höchst verschieden stand. Zumal im weiten Brandenburg, wo reiche Leute selten vorkommen.
Eher herrscht hier postsozialistische Egalität: Wenn wir in Kappen und Stiefeln vor der Reitlehrerin stehen, sind wir alle gleich. Beruf und Statussymbole bleiben mit dem Auto auf dem Parkplatz. Hier zählt, ob sich jemand bemüht, aufrecht auf dem Vierbeiner zu sitzen und ihn in Schwung zu reiten.
Was die Theorien über das Reiten jedoch übersehen, ist die Wirkung des dörflichen Ambientes auf reizgeschädigte Digitalarbeiter aus der Großstadt. Wer reitet, darf Pferdeäpfel von der Koppel auflesen und Heu verteilen. Dann hört er breite Pferdezähne zufrieden mahlen. Im Herbst fachsimpelt er, ob es ein harter Winter wird, sommers schauen wir den Schwalbenjungen bei Flugversuchen zu. Im Nachbarstädtchen lässt sich rasch erledigen, was in Berlin Stunden dauert: Geld holen, tanken, einkaufen, mit Menschen ohne Hipsterbart sprechen.
Überhaupt: Das Beste ist es, einmal wöchentlich die Stadt hinter sich zu lassen und den Horizont zu sehen. Wind und Wetter und natürlich den Boden zu prüfen. Manchmal hautnah wie letztens, als mich das Lieblingspferd in hohem Bogen auf den Acker warf. Meine Wirbelsäule, dachte ich, sei dahin. Doch es war nichts,  außer einem extremen Ausstoß von Endorphinen während der folgenden Tage. Weil es hätte anders kommen können. Weil ich Glück hatte, weil ich dankbar war. Reiten erdet buchstäblich.  Claudia Wahjudi 

http://www.reiten-in-berlin.de/
https://www.berlin.de/special/sport-und-fitness/adressen/reiten/

 

Hobby-Bedarf

Edelhoff Kreativkaufhaus
Bietet auf ca. 1.800 Quadratmetern eine große Auswahl an Materialien aus allen kreativen Bereichen.
Rudolf-Seiffert-Str. 3, Prenzlauer Berg, www.edelhoff-kreativkaufhaus.de

Hobbyshop Wilhelm Rüther
Umfangreiches Sortiment an Bastel-, Künstler-, Perlen- und Keramikbedarf.
Zentrale: Goltzstr. 37, Schöneberg, www.hobbyshop.de

Mit Liebe selbstgemacht – der etwas andere Bastelladen
Bastelladen mit integriertem Café und netter Beratung. Experte, wenn es um Scrapbooking, Mixed Media und Steampunk geht.
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Planet Modulor
Kreativen-Kaufhaus für Design, Architektur, Modelbau, DIY, Kunst und Papeterie. Für Profis und Neulinge.
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Selbstjemacht
Bastel- und Künstlerbedarf, auch Handarbeiten wie Sticken und Kurzwaren.
Wichertstr. 3, Prenzlauer Berg, www.selbstjemacht.de

Weitere Hobbys

Ballett für Erwachsene
Ballettcentrum Berlin Großes Kursangebot für Ballett-Neulinge, Anfänger und Fortgeschrittene. Auch Spitzentanz wird unterrichtet.
Kurfürstendamm 207-208, Wilmersdorf, www.ballettcentrum-berlin.de

Eislaufen (auch Inlineskating, Rollschuhfahren) für erwachsene Anfänger
Die ungewöhnliche Eislaufschule Spaß beim Eislaufen steht hier im Vordergrund. Das Team kümmert sich um kleine und große Anfänger.
Ringstr. 67b, Lichterfelde, www.eislaufschule.de

Hip-Hop / Streetdance für Erwachsene
Traumtänzer Diese Tanzschule bietet eigens für Erwachsene einen Hip-Hop- und einen Streetdancetanzkurz an.
Filiale Flughafen Tempelhof, www.traumtaenzer.de/hiphop-streetdance-erwachsene

Parkour für Erwachsene
do Parkour Parkour ist eine Fortbewegungsart, deren Ziel es ist, nur mit den Fähigkeiten des eigenen Körpers möglichst effizient von Punkt A zu Punkt B zu gelangen.
Am Gleisdreieck, Kreuzberg, www.doparkour.de/berlin/parkour-training-fuer-erwachsene

Improvisationstheater
BühnenRausch Kleines, auf Improvisationskunst spezialisiertes Theater, präsentiert auch Stücke für Kinder sowie Lesungen.
Erich-Weinert-Str. 27, Prenzlauer Berg, www.buehnenrausch.de

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