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„Höchste Zeit“ von Eva Apraku

"Höchste Zeit" von Eva Apraku
Möchten Sie wissen, was kommenden Sonntag, vielleicht auch noch Montag oder Dienstag, in Ihrer Zeitung kommentiert werden wird? Ich sage es Ihnen: Es ist die Zeitumstellung – in der Nacht zum Sonntag werden die Uhren um eine Stunde vorgestellt.

Nun könnte man sagen: Toll! Gut, dass mich jemand erinnert! Und so peinliche Verspätungen verhindert. Doch um Pünktlichkeit geht es in den Beiträgen zur Zeitumstellung nicht. Stattdessen erklingt jedes halbe Jahr, wenn mal wieder an der Uhr gedreht wird, die gleiche langweilige Leier: Die Zeitumstellung sorge für Schlafstörungen, Depressionen oder vermehre gar die Zahl der Herzinfarkte.

Zwei, drei Tage lang wird man sich auf das Heftigste darüber erregen, wie furchtbar die Deutschen mit dem Uhrengedrehe gemartert werden. Dann ist ganz plötzlich Schluss – und jeder lebt sein Leben wie zuvor. Bei der Arbeit schiebt man Überstunden, macht gar Schichtarbeit. Zum Ausgleich tanzt man die Nächte durch, jettet zum Fernurlaub in andere Zeitzonen – oder genießt einfach nur nicht enden wollende Sommerabende.
Von Problemen durch den angeblich aus dem Takt gebrachten Alltag ist dann nirgendwo die Rede mehr. Auch Herzinfarkte werden wieder wie gewohnt durch Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel erworben: Es soll Zeitumstellungsgegner geben, die sich ihre Zigaretten nicht verbieten lassen… Deshalb, liebe Kollegen, verschont uns mit dem reflexartigen Geplärre! Wir sollten uns einfach über den Frühling freuen.

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