Kultur

Hüter der Hygiene

Selbstbewusst regieren sie im eigenen Reich. Diese Berliner Toilettenleute üben ihren Beruf mit Stolz aus.

Hüter der Hygiene

Der Szenekenner

Moritz „Moo“ Wolter, Neue Heimat, Berliner Szene-Clubs

„Es ist schon ein Unterschied, ob du mal über den Waschbeckenrand wischen musst oder einen Liter Konfetti und fünf Bierflaschen aus dem Klo holst.“ Moritz „Moo“ Wolters Spezialgebiet: Szenetoiletten in Berliner Clubs. Inzwischen hat er sich zur Unterstützung ein „Putz- und Ordnungsteam“ aus 30 Leuten aufgebaut. „In Clubtoiletten kann man alles finden – von vollgekackten Windeln bis hin zu einem 200-Euro-Schein.“ Moo beschreibt seine Arbeit als extrem. Extrem eklig, aber auch extrem schön. „Auf dem Klo triffst du jeden, der auf der Party ist. Der Szene-DJ und der Türsteher: Alle gehen mal aufs Klo.“ Manchmal bringen die Leute ihm ein Bier vorbei, einmal sogar Erdbeerkuchen.

Seit diesem Sommer arbeitet Moo auch auf dem Village Market in der Neuen Heimat: „Da kommen eher so Schicki-Leute.“ Hier stellt Moo vor den Toiletten drei Schilder auf: „Frauen: ???“, „Männer mit kleinem Penis: 50 Cent“ und „Männer mit großem Penis: 1 Euro“. Das sorgt oft für Gelächter. Letztens war Kurt Krömer da. Der hat fünf Euro gezahlt.


Hüter der Hygiene

Der Profi

Patrick Kopplin, Markthalle Neun

Eigentlich hatten Patrick Kopplin und die Toiletten aus der Markthalle Neun keinen guten Start: „Die Toiletten hier sahen grausam aus.“ Kopplin kannte den ungeliebten Ort nur von den Markttagen, an denen er an einem Stand verkaufte – und beschloss, das mit den ekligen Toiletten zu ändern. Seit Anfang des Jahres ist Kopplin der Klomann der Markthalle Neun. „Sei ein Profi in allem, was du tust“, hat ihm mal jemand geraten.

Und Kopplin ist Profi. Die Toiletten sind inzwischen renoviert und blitzsauber, vor dem Eingang steht ein altes Bahnfahrerhäuschen als Kassenbude. Nebenan können begeisterte Kunden die rein ökologischen Putzmittel kaufen, die Kopplin verwendet. Wichtig ist auch der soziale Aspekt. „Du bist sehr dicht dran an den Menschen“, erklärt Kopplin, „du weißt, wer Junkie oder Alkoholiker ist, wer welche Krankheiten und Kümmernisse hat.“


Hüter der Hygiene

Die gute Seele

Helga Schmidt, Hafenbar

„Gebraucht werden – das ist doch das Beste, was einem im Alter passieren kann.“ Seit 15 Jahren arbeitet Helga Schmidt in der Hafenbar. Finanziell ist die Rentnerin nicht auf die Arbeit angewiesen. Sie macht das „aus Liebe“ – und bekommt nur das, was auf dem Teller liegen bleibt. Davon finanziert Helga Schmidt ihre Aus­stattung: Toilettenpapier mit ­hübschen Motiven, Pflaster, Tampons, Deo, Minzbonbons und noch einiges mehr.

Bei Liebeskummer tröstet Schmidt natürlich auch. Viele Stammgäste begrüßen bei ihren Besuchen als Allererstes Helga Schmidt. Oder schicken ihr Postkarten – sogar aus Australien. Manchmal muss die Pankowerin aber auch meckern: „Dann mach ich schon mal so’n Spruch.“ Zum Beispiel, wenn ein Gast die verbotene Tür benutzt, die eigentlich nur für das Per­sonal ist. „Jeder Gang macht schlank!“, ruft Schmidt dann. Und lächelt: „Die können so was ab.“

Text: Rebekka Wiese

Fotos: David von Becker, Benjamin Pritzkuleit

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