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Im Gespräch mit Udo Kittelmann, dem neuen Direktor der Nationalgalerie Berlin

Nationalgalerie-Direktor Udo Kittelmanntip Herr Kittelmann, wie wird man Direktor der Nationalgalerie?
Udo Kittelmann Eine solche Frage hat mir ja noch nie jemand gestellt. Es geschah genau wie bei den vorangegangenen Berufungen, die an mich herangetragen wurden. Ich wur­de zunächst gefragt, ob ich In­teresse hätte, musste mich also zwi­schen einem „Ja“ oder einem „Nein“ entscheiden, und dann musste ich mich einer Berufungskommission stellen.

tip Wissen Sie, was schließlich den Ausschlag gab, ausgerechnet Sie zu wählen?
Kittelmann Nein, das weiß ich nicht, auch wenn man sich das ein oder andere schon vorstellen kann. Aber die Wahl hat mich sehr gefreut.

tip Wieso wollten Sie überhaupt Museumsdirektor werden? Schließ­lich gibt es wohl kaum etwas Langweiligeres als das Sichumgeben mit abgehangener Kunst.
Kittelmann Nein, dem kann ich nicht beipflichten. Sicher habe ich mir nie vorgenommen, Museumsdirektor zu werden, und meine Vita gibt es gar nicht so unbedingt her, in diesen eher akademischen Dienst einzutreten. Aber langweilig ist es überhaupt nicht, wenn Sie sich mit Kunst beschäftigen oder mit kulturellen Institutionen – ich kann mir nichts Besseres vorstellen als Herausforderung. Gerade Museen müssen sich ja auch einer Selbstkritik unterziehen, damit sie eben nicht Gefahr laufen zu verstauben.

tip Vor Ihnen liegt nun die Aufgabe, diesen Riesentanker von fünf Museen zu manövrieren …
Kittelmann Mit der Friedrichwer­der­schen Kirche sind es sogar sechs Häuser. Sie sollte man keinesfalls vergessen, ist sie doch ein ganz vorzüglicher Ort, den zu wenige kennen. Nicht nur die Architektur Schinkels zeichnet sie aus und die wertvolle Skulpturensammlung: Wenn man das Portal aufmacht, und es fällt hinter einem zu, dann hat man die Welt da draußen vollkommen vergessen.

tip Die Spielmöglichkeiten in Berlin dürften gegenüber Ihrer bis­he­ri­gen Wirkungsstätte im Museum für Moderne Kunst Frankfurt deutlich geringer ausfallen. Bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz werden Sie mehr Kraft und Zeit in die Verwaltungsarbeit investieren müs­sen.
Kittelmann Verwaltungsarbeit war schon immer ein großer Teil meiner Tätigkeit. Und sie wird mit der jetzt gewachsenen Anzahl der Häuser sicherlich nicht geringer werden.

tip Wie wollen Sie es schaffen, die ständigen Sammlungen Ihrer Häuser permanent attraktiv zu halten?
Kittelmann Ich glaube, ich stehe auch dafür ein, dass mich gegebene Ordnungen durchaus inspirieren können, dass ich diese infrage stelle und schon dadurch neue Ordnungen schaffe. Das ist ganz wichtig. Ebenso zentral ist für mich, der Sammlung der Neuen Nationalgalerie als bedeutender Kollektion der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen ver­lässlichen Ort zu geben.

tip Wie stellen Sie sich die Zukunft – die quantitative wie räumliche – dieser Sammlung vor, die aus Raummangel bedauerlicherweise nur alle Jubeljahre mal zu sehen ist?

Das ungekürzte Interview von Martina Jammers und Qpferdach lesen Sie in tip 02/09

Foto: Harry Schnitger

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