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Natur in der Großstadt

Imkern in Berlin: Das große Summen

Einen Hund oder eine Katze halten? Macht doch jeder! Viel trendiger ist es derzeit, sich ein ­Bienenvolk zuzulegen und zu imkern. Denn pelzigen Insekten sorgen nicht nur für Honig, sondern auch für die Bestäubung der Stadtflora. Doch man kann auch die wilden Verwandten der Honigbiene unterstützen

Imkerin Erika Mayr in Imkerjacke mit so genannter Astronautenkapuze
Foto: Oliver Wolff

Die Youtube-Kurse heißen „Imkern als Hobby“ oder „Honig – so kann jeder Imker werden“ und gemeinsam ist ihnen, dass die meisten der Lehrfilmchen in den letzten zwei, drei Jahren hochgeladen wurden. Denn sich für Bienen und die Imkerei zu interessieren, das liegt derzeit vor allem bei Stadtmenschen sehr im Trend. Und das nicht nur im Gefolge vom urbanen Gärtnern. Viel wichtiger ist den Stadtimkern: Wenn es den Bienen infolge von Pflanzenschutzmitteln oder Insektenkrankheiten auf dem Land schon so schlecht ergeht, dann sollen sie wenigstens in den Metropolen und auch in Berlin summen. Schließlich verdanken wir den fleißigen Insekten nicht nur leckeren Honig, sondern – dank der Bestäubung von Nutzpflanzen – auch einen Großteil unserer Nahrungsmittel.

Dass die Nachfrage an der Imkerei in Berlin gestiegen ist, weiß keiner besser als Benedikt Polaczek, 61, promovierter Agrarwissenschaftler, Imkermeister und Bienenforscher an der FU Berlin und Vorsitzender des Imkerverbandes Berlin. „Vor 20 Jahren war es schwierig, Menschen für die Imkerei zu begeistern. Inzwischen muss man das Interesse bremsen.“ Denn, so Polaczek, mit dem Kauf und Aufstellen der „Beute“, des Bienenstocks und dem Erwerb eines Bienenvolkes sei es nicht getan: „Ohne regelmäßige Pflege durch Imker können Bienen nicht lange überleben.“ Ähnlich wie der Kauf von Hund oder Katze wohl überlegt sein wolle, sei die ­Imkerei kein Fall für spontane Entscheidungen. Ganz ­abgesehen davon, dass man vom Bezirksamt eine Genehmigung braucht. Oder vom Hausbesitzer, falls die Imkerei auf oder an Immobilien betrieben werden soll, die einem nicht gehören.

Erika Mayr mit ihren Bienen und den Beuten, wie Bienenstöcke fachmännisch heißen
Foto: Saskia Uppenkamp / www.saskia-uppenkamp.com

Spricht man mit Benedikt Polaczek übers Selber-Imkern, hört man vor allem Einwände und Bedenken heraus. Dabei will der Imkermeister, der auch ausbildet, niemanden abhalten, sondern nur klar machen, wie wichtig ausgefeiltes Bienenwissen, eine gute Vorbereitung und echte Leidenschaft fürs Metier sind. Ernsthaften Imkerei-Interessenten rät er deshalb dringend, einem Imkerverein beizutreten und sich dort auszutauschen und anleiten zu lassen.

Berlins Pionierin beim urbanen Imkern, Erika Mayr, ist auch Mitglied eines Imkervereins, genauer: des Imkervereins Charlottenburg. Sie betreibt in der Stadt große Bienenstöcke auf Dächern, unter anderem auf dem Dach des Kraftwerks Mitte, wo auch der Club Tresor residiert.

Wer Vereinsmeierei nicht mag und sich lieber anders für die Bestäuber einsetzen möchte, dem rät Polaczek, sich für eine pflanzliche Artenvielfalt und gegen Gifte beim Gärtnern und in der Landwirtschaft einzusetzen. „Die Bienen brauchen eine bunte Pflanzenwelt, zu der gehören auch vermeintliche Unkräuter“, sagt er. Wichtig seien außerdem Pflanzen, die auch noch ­später im Jahr blühen: „Im Frühjahr gibt es Blüten im Überfluss, aber ab dem Sommer wird es für Bienen eng.“ Dahlien und viele Rosenarten etwa, bevorzugt jeweils die alten Sorten, ­blühten hingegen teilweise bis zum ersten Frost.

Fördern könne man Bienen aber auch, indem man ihre wilden Verwandten ­unterstütze. Sogenannte Solitärbienen­ freuen sich über Bienen­hotels. Und Hum­meln – sie gehören ebenfalls zu den Bienen – hilft man mit dem Aufstellen von „Hummelpensionen“ beziehungsweise -kästen.

Und ganz ­nebenbei: Possierlich sind die dicken ­Brummer auch noch.

Hosenbiene
Foto: Carola Vahldiek / stock.adobe.com / Fotolia

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