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Interview: Idil Baydar über ihre Show in der Bar jeder Vernunft

Idil_Baydar_03_c_IAMBARNIEFrau Baydar, Ihre Kunstfigur, die 18-jährige Prollgöre Jilet Ayse, ist meistens sauer. Auf ihre Schwester, die „Integrationsnutte“. Oder auf die deutschen „Milchschnittenmänner“. Worüber wird sich Ayse in der Bar jeder Vernunft aufregen?
Sie wird noch mehr Gründe finden, sauer zu sein. Natürlich spielen auch aktuelle Geschichten rein. Zum Beispiel, dass WhatsApp 99 Cent von uns haben will, aber unsere Daten an die NSA verhökert! Pure Abzocke. Das regt Ayse auf, denn beim Abziehen kennt sie sich aus. Das ist schließlich der Kanaken-Job. Findet sie nicht gut, dass die Amis sich da einmischen.

Wer kommt zu den Shows? Die Neuköllner Gettobräute, die angeblich massenhaft Ihre YouTube-Clips anklicken und sich in Ayse wiedererkennen?
Das wird auch übertrieben. Klar lachen wir über das, was uns ähnlich ist. Aber bei mir geht es nicht um Äußerlichkeiten, sondern um Inhalte. Ist das Wort Hausschuh in eurer Kultur geläufig? Bei uns gibt es den, und den schmeißt die Mutter, um dich korrekt zu erziehen. Sehr geschickt, manchmal um die Ecke. Aber ist doch klar, dass Ayse kein Vorbild ist. Ich bin doch nicht Gandhi, Alter!

Sie glauben als ehemalige Waldorfschülerin nicht an pädagogisch wertvolle Comedy?
Ich mache das, damit die Leute lachen und Druck ablassen können, nicht, um denen was beizubringen. Ich verstehe gar nicht, dass so viel darüber diskutiert wird, ob meine Satire missverständlich sein könnte. Den Leuten gehen echt die Themen aus. Zwei Wochen lang muss ich mir Hoeneß reinziehen. Der war einfach zu blöd, seine Millionen zu verstecken, und jetzt dieses Gejammer!

Ihre Videokolumne läuft ausgerechnet auf Bild.de. Fragwürdiges Umfeld.
Klar, schon weil meine Inhalte nicht konform sind. Die feiern Peter Maffay und machen Bushido runter, bei mir ist es umgekehrt. Aber zum Reißerischen der „Bild“ passt die Polemik meiner Rolle. Es muss ja ein Gegengewicht zu Thilo geben! Aber mit „Bild“ ist bald Schluss, ich gehe jetzt neue Wege.

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Neben Jilet haben Sie auch die Figur der rassistischen deutschen Rentnerin Gerda Grischke im Repertoire. Die erfreut sich nicht so großer Beliebtheit, oder?
Doch, bei den Ausländern! Die Deutschen sind, glaube ich, schockiert, dass man sie so wahrnimmt. Das sollen wir sein? Wir bauen doch Brunnen auf Haiti!

Interview: Patrick Wildermann

Foto: IAMBARNIE.COM / Melanie Marten

Idil Baydar: Jilet of Germany Bar jeder Vernunft, 21.4., 20 Uhr, Karten-Tel. 883 15 82

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