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Interview mit Jana Kuss vom Berliner Kuss Quartett

Kuss_Quartett_c_Neda_NavaeeSie widmen einen Abend Rudi Stephan, einem Komponisten, der heutzutage weitgehend vergessen ist. Welche Bedeutung hat Stephan für Sie?
Der Initiator und Pianist dieses Abends, Hinrich Alpers, hat die Musik von Rudi Stephan in seiner Jugend entdeckt und immer wieder in Projekten, damals wahrscheinlich noch bei Hochschulveranstaltungen, aufgeführt. Für ihn ist diese Musik fester Bestandteil seines Wirkens. Wir wurden zu diesem Programm von Hinrich Alpers eingeladen, kannten den Komponisten und die Musik bis dahin nicht. Zum Glück waren wir neugierig genug, um zu diesem kammermusikalischen Projekt „ja“ zu sagen. Die Musik Stephans zwingt auf jeden Fall zum Hinhören, spricht den Zuhörenden an. Es gibt wunderbare Soli, gerade von den dunkleren Streichern, überraschende harmonische Wendungen, alle werden die Musik einatmen und mit-erleben können. 

Heiner Müller sagte einst, Brecht zu inszenieren ohne ihn zu kritisieren, sei Verrat. Lässt sich dies auf die Kompositionen übertragen?
Heiner Müller war selbst Autor. Ich habe noch nie ein Stück selbst komponiert. Es wäre Verrat, wenn ich Kritik üben würde, in dem Sinne, wie es ein Heiner Müller getan hat. Aber natürlich kommt es vor, dass man als Ausführender immer wieder mal denkt, das ist jetzt ein etwas schwacher Moment. Aber gleich darauf steht die Frage im Raum: „oder liegt das an mir, habe ich etwas noch nicht verstanden?“?

Die rbb Klassik Lounge bricht nicht nur kammermusikalische Traditionen, sondern findet an einem Ort statt, an dem sonst Künstler elektronischer Musik wirken. Seit einigen Jahren gibt es viele Kooperationen von DJs und Ensembles. Woher kommt diese Affinität
Diese Kombination ist sicherlich der Entwicklung zuzuschreiben, dass sich die klassischen Musiker nach einem jüngeren, breiteren Publikum und einem neuen Ort umsehen müssen, wo sie wieder und neu gehört werden. Es ist für uns eine Bereicherung, sicherlich für die meisten Musiker. Aber den Konzertsaal missen möchte ich auch nicht!?

Sind Sie Clubgängerin?
Nein, meine Ohren sind sehr empflindlich, was Lautstärke betrifft. Außerdem verbringe ich seit ein paar Jahren meine freie Zeit mit meinem Mann und den Kindern. Mal sehen, ob ich ihretwegen später im Club lande??

Sie kehren soeben aus Sotschi zurück – wie haben Sie die Atmosphäre vor Ort empfunden?
Es war schon toll, so nah zu sein, Sportler, Trainer, Fans in unserem Hotel herumlaufen zu sehen. Leider gab es zu viele Hürden, um einen Wettkampf live sehen zu können. Aber überall in der Lobby hingen große Bildschirme, wo gleichzeitig mehrere Wettkämpfe gezeigt wurden, da atmet man schon beim Eintreten die spannungsgeladene Wettkampfluft ein. Unser Hotel war übrigens sehr neu, sehr gut, modern und wo noch Arbeit war, wurde sie sogar nachts angegangen.

Interview: Ronald Klein

Foto: Neda Navaee

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