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Interview mit Alex Stolze

Der Musiker stellt im Rahmen der Reihe „straightforward“ sein Album „Mankind Animal“ im Radialsytem V vor.

Rosa Merk & anna.k.o.
Credit: Rosa Merk & anna.k.o.

Du gastiert in der Reihe „straightforward“, in der Klassik auf Elektronik trifft. Das Armida Quartett spielt Bach und Beethoven und Du stellst das Mini-Album „Mankind Animal“ vor, das kürzlich auf Nonostar Records erschien.

Ich freue mich sehr im Radialsystem V aufzutreten, ich schätze den Veranstaltungsort und das Programm enorm. Zuletzt bin ich dort mit meiner Band Dictaphone aufgetreten. Vor etwa 15 Jahren habe ich mich aus dem klassischen Kontext verabschiedet, aber ich vertraue dem Kurator der Reihe absolut, dass die Zusammenstellung so funktioniert.

Du hast eine klassische Ausbildung an Klavier und Violine durchlaufen.

Ja, genau. Einer meiner Lehrer war der erste Geiger des Rundfunksinfonie Orchesters. Ich habe mich dann aber gegen die Karriere in einem klassischen Orchester entschieden. Mich hat es von jeher mehr interessiert, meine eigene Musik zur Aufführung zu bringen. Daher wählte ich Freiheit statt Zwänge.

„straightforward“ lebt ja quasi dieses Konzept der künstlerischen Freiheit.

Es heißt, die Violine – wenn sie nicht folkloristisch eingesetzt wird – sei die Königin der klassischen Instrumente. Das klingt zwar etwas pathetisch, aber da ist etwas dran. Denn man muss enorm viel lernen und dafür wirklich Disziplin aufbringen. Sonst kommt man nicht weit bei der Intonation. Später besteht die große Herausforderung, das wieder zu verlernen, um frei zu spielen. Tatsächlich beherrschen viele Musiker das nicht. Auf der Platte treffen Streichquartettsounds auf ein elektronisches Umfeld. Dieses Spannungsfeld interessiert mich seit jeher.

Handelt es sich um eine klassische Konzeptplatte?

Thematisch drehen sich die Songs um die Frage was uns zum Menschen macht. Es geht um die Grenze zwischen Mensch und Tier. Und warum ist die Welt nach so vielen Jahren Zivilisation immer noch so ungerecht und tierisch ausgerichtet? Der Titel „Mankind Animal“ bezieht sich darauf, dass ich uns als Spezies als menschenähnliche Tiere empfinde, denen es immer noch an Demut und Gerechtigkeitssinn fehlt.

Sven Helbig hat unlängst ein Album veröffentlicht, das sich dem Posthumanismus verpflichtet fühlt.

Das ist ein sympathischer Ansatz. Wer heute noch glaubt, dass der Mensch die Krone der Schöpfung sei und damit die Zerstörung der Natur rechtfertigt, hat nicht begriffen, dass uns morgen die Lebensgrundlage fehlt. Das kann ganz schnell den Bach runter gehen.

 

 

Alex Stolze und Armida Quartett im Radialsytem V, Holzmarktstraße 33, Friedrichshain, So 6.11., 21 Uhr, Kartentel.: 288 788 588

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