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Interview mit Michael ?Müller

Interview mit Michael ?Müller

Michael ?Müller Der gebürtige Berliner, 49, galt als Wowereits Kronprinz, bis ihm Stöß den Parteivorsitz abjagte. Seit 2011 Stadtentwicklungssenator, hatte der zweifache Familienvater aus Tempelhof zuvor zehn Jahre die SPD-Fraktion geführt.
 
tip Herr Müller, online stimmten bei der „Abendschau“ 71 Prozent für Sie als Wowereits Nachfolger. Hängt die Grafik als Poster in Ihrem Büro?
Michael Müller?Nein (lacht).  Aber gefreut hat’s mich natürlich.

tip Trotz 13 Jahre im Machtzentrum schreibt man Ihnen öffentlich kein sonderliches Charisma zu. Warum sollte sich das in den nächsten Wochen ändern?
Michael Müller Warum muss sich das eigentlich ändern?

tip Wird Charisma überbewertet?
Michael Müller Es gibt einfach Personen wie Klaus Wowereit, die durch ihr Auftreten schon interessante Persönlichkeiten sind. Das kann man nicht herbeibeschließen. Ich habe andere Qualitäten, die ich einbringe. Beispielsweise eine Solidität, die sich manche vielleicht wünschen. Und Erfahrungen.

tip Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, den Sie kürzlich getroffen haben, wurde ja auch früher gern „Scholzomat“ genannt.
Michael Müller Wir haben noch ein paar andere Ministerpräsidenten, die ich mir auch nicht in jeder „Gala“-Ausgabe vorstellen kann.

tip Ihre Reden sind besser geworden. Üben Sie vorm Spiegel?
Michael Müller Nein. Ich hatte zu Beginn meiner Zeit als Fraktionsvorsitzender, und das ist ja wirklich schon eine Weile her, mal zwei Seminare gemacht. Jetzt ist es eine tägliche Übung und Spaß am Redenhalten.

tip Nun beschwören alle Bewerber einen fairen Wettstreit. Gibt es Grund zu der Annahme, dass das in der Berliner SPD nicht selbstverständlich sein könnte?
Michael Müller Man muss sich auf Regeln verständigen. Wir hatten ja schon Mitte der 90er-Jahre Mitgliederbegehren. Da wurde praktisch für die unterschiedlichen Personen ein eigener Landtagswahlkampf geführt. Das wollen wir nicht mehr. Wir wollen ja nicht unsere Partei lähmen.

tip Jetzt hauen sich doch die drei wichtigsten Berliner SPD-­Köpfe wochenlang selbige ein.
Michael Müller Trotz Konkurrenz werden wir wie erwachsene Menschen zusammenarbeiten. Ich finde das selbstverständlich. So war es auch in den letzten zwei Jahren.

tip Aber Ihre Kandidatur hat schon auch damit zu tun, dass unter einem Regierenden Bürgermeister Stöß, der Ihnen den SPD-Vorsitz abnahm, Ihre Senatszukunft nicht rosig wäre?
Michael Müller Moment! Da geht’s doch nicht um alte Fragen und so was wie offene Rechnungen.

tip Wenn Sie es so sagen.
Michael Müller Ich habe mir ganz bewusst überlegt: In welcher Situation bin ich mit meiner Arbeit als Senator? Was ist mir wichtig? Wie kann ich Dinge stärker für Berlin voranbringen? Stadtentwicklung und Wohnen ist zum Beispiel ein Thema, das mir in den letzten drei Jahren wirklich in Fleisch und Blut übergegangen ist, und das wird sicher wichtig bleiben.

tip Waren Freunde von Ihrem „Macht-Wort“ nicht überrascht? So kennt man Sie ja gar nicht.
Michael Müller Das ist vielleicht auch ein Vorurteil. Es ist richtig, ich muss mich nicht jeden Tag lautstark mit Parteifreunden auseinandersetzen, um zu zeigen, dass ich Einfluss habe. Aber ich gehe in Auseinandersetzungen. Ich habe vor zwei Jahren dafür gekämpft, Landesvorsitzender zu bleiben. Ich habe es vor einem Vierteljahr gezeigt beim Tempelhof-Volksentscheid.

tip Ihre größten Niederlagen. Ein Vorteil, wenn man solche Klatschen wegstecken kann?
Michael Müller Das gehört dazu. Ich bin seit über 30 Jahren in der SPD, seit knapp 15 Jahren in Spitzenpositionen. Klar verliert man da auch Auseinandersetzungen. Na und? Vieles konnte ja auch durchgesetzt werden.

tip Und jetzt das Comeback?
Michael Müller Ich war gar nicht weg. Ich bin Bürgermeister und Senator.

tip Schon klar. Trotzdem hatte Sie kaum einer auf dem Zettel.
Michael Müller Dann war es vielleicht der falsche Zettel.

tip Ihre Lehre aus dem Tempelhof-Volksentscheid: Bloß nicht noch mal das Volk befragen?
Michael Müller Ganz im Gegenteil. Was mich wirklich beschäftigt, ist jetzt: Wie finden wir den richtigen Weg, die Menschen zu beteiligen? Wir probieren viel aus, auch in der Stadtentwicklungsverwaltung. Aber ich glaube, den Königsweg hat noch keiner gefunden.

tip Gesetzt den Fall, Sie gewinnen das SPD-Votum. Wovor hätten Sie dann mehr Angst: den BER fertig zu bauen oder Dйsirйe Nick küssen zu müssen?
Michael Müller Nichts für ungut, aber ich kümmere mich lieber um den BER.

tip Besser für Sie, dass jetzt die SPD-Mitglieder entscheiden und nicht der Landesparteitag?
Michael Müller Es ist besser für die SPD, dass die Mitglieder entscheiden können. Alles andere ist Kaffeesatzleserei. Und die Berliner SPD ist immer für Überraschungen gut.

Interview: Erik Heier

Foto: Petra Konschak


 

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