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Interview mit Monika Herrmann

Monika Herrmann

tip Frau Herrmann, drogenfreie Sonder­zone im Görlitzer Park, kann das funktionieren?
Monika Herrmann?Wissen wir noch nicht. Herr Henkel hat sich das ja ohne uns ausgedacht. Wir haben davon erst aus der Presse erfahren.

tip Der Innensenator und Sie haben ja nicht so den Draht.
Monika Herrmann Da hat man eine Menge hineininterpretiert. Ich streite mit ihm nicht so sehr wie er sich mit mir.

tip Was bringt der Wegfall der 15-Gramm-Eigenbedarfs­grenze im Görlitzer Park konkret?
Monika Herrmann Ich bin da auch sehr gespannt. Der normale Kreuzberger Kiffer, der da seit 30 Jahren wohnt, kauft nicht im Park. Es sei denn, er hat’s irgendwie vergessen und sein Hausdealer hat gerade keine Zeit. Das ist zu 90 Prozent eine Frage von Touristen oder jungen Menschen aus Spandau oder Marzahn-Hellersdorf.

tip Das Polizei-Ziel, heißt es, sind die Dealer.
Monika Herrmann Aber wer wird eigentlich kontrolliert? Alle, die afrikanische Wurzeln haben? Alle, die ­Kapuzis tragen? Alle Touristen? Was ist, wenn der junge Mann oder die Frau auf die andere Straßenseite sprintet? Wird dann die Verfolgung sofort abgebrochen, weil da die ?15 Gramm wieder erlaubt sind?

tip Wenn man im Park beobachtet wird …
Monika Herrmann Wir philosophieren! Kann sein, kann nicht sein, ich weiß es nicht. Deshalb fragen wir ja ständig bei der Polizei nach. Vor allem möchte ich mal wissen, wo genau sich die Sonderzone überhaupt befindet.

tip Zeigt die desaströse Bürgerversammlung im Chip, dass der Görli nicht zu retten ist?  
Monika Herrmann Ich möchte, dass wir da mal dieses Sensationsding da rausziehen. Es war eine Gruppe von 20, 30 jungen Leute. Die haben die Veranstaltung genutzt, um auf die Flüchtlingssituation hinzuweisen …

tip … nicht zuletzt aber auch dazu, diejenigen Anwohner, die die Probleme mit den Dealern im Park ansprachen, als „Rassist“ niederzubrüllen.
Monika Herrmann Was ich daran schwierig finde: Erstens: Es banalisiert Rassismus. Zweitens: Wenn ­Leute, die wirklich Lösungen finden wollen, sich so beschimpfen lassen müssen, geht eine gewisse Solidarität verloren.

tip Mit den Flüchtlingen?
Monika Herrmann Mit der Bewegung. Und es waren Flüchtlinge da, die fanden das auch unmöglich.

tip Es gibt unter anderem die Idee, dass Park­worker die Dealer zur Zurückhaltung anhalten.
Monika Herrmann Die Afrikaner haben ja auch keinen Bock auf Ärger. Es wird eine klare Ansage geben: Das ist ein Spielplatz, das der Kinderbauernhof, das ist für diese Kitagruppe, jene Stelle für Kinderfreizeiteinrichtungen. Ich sage aber auch: Würden die Jungs nicht Drogen, sondern Kaffee verkaufen in der Art, wie sie es tun – am Eingang stehen 20 Männer, die quatschen jeden an –, ginge mir das auch auf den Wecker. Es ist ja immer gedealt worden im Görlitzer Park.

tip Aber nicht, wie zuletzt, mit bis zu 200 Dealern. Wenn das mal reicht.
Monika Herrmann Nein. Ich glaube, dass das Geschäft immer härter wird und ruppiger. Aber das Beleben des Parks mit einigen Aktionen zum Frühjahr ist in Planung. Wir werden sehen, wie weit wir uns durchsetzen.

tip Sie haben auch sexuelle Übergriffe um den Park angeprangert. Gerade türkische ­Frauen hätten sich beschwert.
Monika Herrmann Was sie empört: Sie haben ein Kopftuch, zwei kleine Kinder an der Hand. Und man lässt sie nicht in Ruhe. Aber das Gebiet ist größer als der Park. In der Revaler Straße haben Sie ähnliche Situationen wie im Wrangelkiez. Die gleichen Beschwerden, Übergriffe, Gewalt­taten. Auch Drogen. Deswegen ärgert mich, dass alles immer auf den Görlitzer Park ­fokussiert wird.

tip Weil Sie gerade von Kaffee sprachen: Wie steht’s eigentlich mit Ihrem ­Modellprojekt für den Coffeeshop?
Monika Herrmann Wir haben ein Institut beauftragt, den Antrag dafür zu schreiben. Dieser wird in diesem Jahr gestellt.

Interview: Erik Heier

Foto: Bezirksamt Friedrichshain / Kreuzberg

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