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Interview mit Murat Topal

Verstehen Sie sich jetzt besser mit Ihrem Bankberater?
Sich mit seinem Bankberater verstehen ist ja schon ein Widerspruch in sich. Wird ein Profikicker Freund mit dem Schiedsrichter? Will der Krawall-Demonstrant Händchen halten mit dem Polizisten?Dass mich mein Bankberater immer noch auf Abstand hält, hat mich bis jetzt vor weiterem sinnlosem Geldausgeben bewahrt. Dafür muss ich ihm eigentlich dankbar sein.

Bevor in Ihrem Buch richtig ins Rollen kommt, schildern Sie, wie Sie zur Bank gehen, um dort einen Kredit für den Hausbau zu beantragen. Der Bankberater erscheint anfangs zuvorkommend, weil er davon ausgeht, dass Sie noch Polizeibeamter sind. Als Sie jedoch mit offenen Karten spielen, und ihm erklären, dass Sie selbstständig sind, erfahren Sie äußerste Reserviertheit.
Erst wenn Du eine gewisse Schallmauer der Popularität durchbrochen hast und vor Geld stinkst, hast du den Respekt. Und dann mehr davon, als du brauchst. Okay, ich gebe zu, das ist bei mir spekulativ, denn durch die Mauer würde ich gerne noch fliegen…

In Henry David Thoreaus CIVIL DISOBEDIENCE (dt.: Die Pflicht des Ungehorsams gegenüber dem Staat) heißt es sinngemäß, wer dem Staat neun Pence schulde, geht ins Gefängnis, wer aber 9000 Mal neun Pence schulde, bleibt unbeschadet. Der Text ist von 1848…
Das hat ja unsere allseits beliebte Hypo Real Estate ganz klassisch unter Beweis gestellt. Du musst nur fett genug sein, dann ziehen sie dich wieder an Land und beginnen mit der Reanimation.

Im aktuellen Buch klammern Sie aber die ganz große Politik aus. Aus mangelndem persönlichen Interesse oder weil das Feld abgegrast ist?

Politik ist nie abgegrast. Und Hausbau ist das ja bekanntermaßen das spießigste von allen Abenteuern. Ich denke bei meinem Material nicht ausgesprochen politisch, schon gar nicht tagespolitisch, ich bin eher in der Rolle des Beobachters, also der eines kritisch- ironischen Zeitzeugen. Ich gehe mit Inhalten wie zB. Integration eher spielerisch um, nehme beide Seiten auf die Schippe, schlüpfe gerne in konträre Rollen. Mir geht es als Comedian eher darum, das Thema aufzubrechen, dem ganzen die Starre zu nehmen. Und um das natürlich mit den Mitteln der Unterhaltung!

In den 70ern hieß es, dass auch das Private politisch sei.

Hausbau ist- wie oben schon erwähnt- ein krasses Abenteuer. Es ist also ein persönlich gefärbter Abenteuerroman. Manches ist überspitzt, aber eben doch viel näher dran an der Wahrheit als man glauben mag. Häuslebauer werden jetzt nicken…

Der Begriff „Häusle“ verweist ja aufs Schwäbische. Wie lebt es sich mit einer Schwäbin?

Es ist eine Herausforderung! Aber mittlerweile verstehen wir uns ganz gut- also auch sprachlich. Vor allem der trilinguale Mix unserer Kinder wird immer interessanter….

In Berlin gibt es seit Jahren den Trend zum (verbalen) Schwaben-Bashing.

Das ist ein Phänomen, das man von überall kennt: Versuchen Sie mal auf irgendeinem Dorf Freundschaft mit einem Eingeborenen zu schließen. Da kann man bei alt werden. Es ist also kein Phänomen, mit dem sich Berlin „auszeichnen“ würde.
Es ist im Grunde dieses alte „Handtuch“-Gen: Wo wir als erster unser Kreuz dran machen, unser Zeichen in den Schnee pinkeln oder eben unser Handtuch drauf schmeißen, das ist unser. Und schon nach drei Minuten benimmt man sich so, als sein das immer so gewesen! Jeder, der danach kommt und Ansprüche stellt, ist quasi ein Gesetzloser, ein Geburts-Loser. Unglaublich eigentlich.

Wird die Buch-Vorstellung in der ufaFabrik eine reine Lesung darstellen?

Geplant ist ein Mix aus Lesung, Live-Performance und Diashow.

Schon ein Thema für das nächste Programm im Auge?

Noch kein konkretes. Da meine bisherigen Programme alle auf Erlebtem beruhen bzw. einen realen Bezug haben, hängt es u.a. davon ab was mir noch alles so widerfährt. Vielleicht wird es etwas politischer/ gesellschaftskritischer…

Interview: Ronald Klein
Foto: Katja Renner 

Lesung mit Murat Topal

am 16.9., 19 Uhr in der ufaFabrik

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