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Interview mit Paulus Neef

Interview mit Paulus Neef

Der Pixelpark-Gründer Paulus Neef, Jahrgang 1960, durchlebte turbulente Jahre als Pionier des European Internet Business. Anschließend gründete er u.a. die MAMA Sustainable Incubation AG, die dabei hilft, nachhaltige Produkte für den Massenmarkt zu erstellen. Aus persönlicher Überzeugung widmet er sich nun als Gründer und Geschäftsführer der neuen Yogastudio-Marke Unyte. Das erste Studio soll im Herbst in Berlin eröffnen.

tip Herr Neef, wie viele Stunden haben Sie heute Nacht ­geschlafen?
Paulus Neef?Warum?

tip Bei der Präsentation Ihrer geplanten Unyte-Yogastudio-Kette erzählten Sie kürzlich vor Journalisten, dass Sie zu besten Pixelpark-Zeiten ständig am Limit gearbeitet hatten und später durch zwei Bandscheibenvorfälle Schachmatt gesetzt wurden. Erst durch Yoga, so sagten Sie, hätten Sie sich wieder erholt. Nun interessiert, wie Sie Ihr Leben umgekrempelt haben.
Paulus Neef Das viele Arbeiten hat nicht richtig nachgelassen, was aber auch mit Unyte zusammenhängt. Alle Fäden laufen da bei mir zusammen, es ist unglaublich viel zu tun. Wobei diese Firma nur eine meiner Aktivitäten ist. Doch zurück zu Ihrer Frage: Für meine Verhältnisse habe ich diese Nacht viel geschlafen – sechseinhalb oder sieben Stunden.

tip Wie war das früher?
Paulus Neef Damals habe ich viel ungesünder gelebt, kaum Sport getrieben und nicht so auf meine Ernährung geachtet. Um in ein paar Jahren eine Firma – und in 16 Ländern und 22 Städten Dependancen und Tochtergesellschaften – aufzubauen, habe ich ohne Verschnaufpause Vollgas gegeben. Man braucht Geld, macht Fundraising und hat immer mehr Termine. Und auf einmal beschäftigt man erst 100, dann 1.000, dann 2.000 Leute. Es sind viele kleine Schritte, die dazu führen, dass man immer abgehetzter wird. Damals glaubte ich, keine andere Wahl zu haben. Inzwischen lebe ich viel gesünder, esse sehr bewusst und mache unglaublich viel Sport.

tip Nicht nur Yoga?
Paulus Neef Nein, auch viel Fitness. Wenn ich in Berlin bin zum Beispiel zweimal die Woche Taekwondo. Morgens um sieben, denn da habe ich meist noch keine Termine. Und einmal die Woche gehe ich laufen.

tip Treiben Sie täglich Yoga?
Paulus Neef Ich stehe meistens sehr früh auf. Dann mache ich eine Erdungsübung. Die mache ich jeden Tag, egal, wo ich bin, ob zuhause oder im Hotel. Diese Übung ist sensationell, sie dauert nur fünf bis acht Minuten. Das bringt unglaublich viel. Wie eine Kurzmeditation.

tip Mit Ihrer Studio-Kette Unyte wollen Sie das Esoterische beim Yoga etwas außen vor lassen. Warum?
Paulus Neef Ich habe gesehen, wie gut Yoga mir tut. Und da ich zu 95 Prozent in der nichtesoterischen Welt unterwegs bin, in der Wirtschaftswelt, habe ich mitbekommen, unter welchen Problematiken die Menschen dort leiden: Burnout, Depressionen, Stresssymptome, Rücken-, Nacken- oder Kopfschmerzen und so weiter. Dagegen ist Yoga phänomenal gut geeignet. Ich möchte die Leute da abholen, wo sie sind: Haben Sie Stress? Okay, Yoga ist stressreduzierend. Dazu muss man nicht erst alle dazugehörigen indischen Begriffe lernen. Wir wollen Yoga von Dogmen befreien.

tip Was wollen Sie bei Unyte außerdem anders machen?
Paulus Neef Wir wollen auch den Preis demokratisieren. Bei den meisten Yoga-Studios kommt man auf etwa 120 Euro im Monat, wenn man regelmäßig an Klassen teilnimmt. Wir wollen eine monatliche Flatrate von 59 Euro anbieten. Außerdem wollen wir die Öffnungszeiten erweitern. Denn trotz rund 290 Yoga-Studios in Berlin findet man kaum welche, bei denen man schon früh vor oder spät nach der Arbeit trainieren kann.

tip Was sagt die Konkurrenz zu Ihren Plänen?
Paulus Neef Natürlich gibt es auch Leute, die sich fragen, was da nun auf sie zukommt. Aber auf der anderen Seite werden wir mit offenen Armen empfangen, weil die Leute gutheißen, dass jemand das Thema Yoga mal groß spielt. Außerdem visieren wir mit unserem Yoga-for-everyone-Ansatz ganz neue Zielgruppen an. Zum Beispiel Männer, die sind in den Studios bisher eine Minderheit. Und deswegen bin ich so froh, dass wir Patrick Broome dabei haben, einen Yoga-Lehrer, der seit acht Jahren mit der deutschen Fußballnationalmannschaft trainiert.

tip Wissen Sie, wer Jan Bredack ist?
Paulus Neef Der Name sagt mir irgendwas …

tip Jan Bredack war bis zu seinem Burnout Manager bei Mercedes. Danach krempelte er sein Leben völlig um, wurde Veganer. Und eröffnet nun einen Veganz-Supermarkt nach dem anderen. Irgendwie erinnern Sie mich an seine Geschichte: Aus einem persönlichen Kollaps entsteht eine neue Geschäftsidee.
Paulus Neef Ja, das ist doch logisch. Ich bin ein Vollblutunternehmer. Ich habe auf der einen Seite gesehen, was Yoga für mich Positives bewirkt hat, wie sich mein Leben fundamental geändert hat. Auf der anderen Seite kriege ich mit, wie Yoga-Studios betrieben werden: Obwohl das Thema medial überrepräsentiert ist, sitzen die Studios im dritten Hinterhof und haben Öffnungszeiten, zu denen potenzielle Kunden eigentlich arbeiten gehen. Es gibt zig Fitness-Studio-Ketten pro Stadt, aber keine einzige Yoga-Studio-Kette. In ganz Europa nicht. Dabei, da bin ich mir sicher, gibt es einen großen Bedarf für ein niedrigschwelliges, gutes Angebot.

Interview: Eva Apraku

Foto:
Sylvie Gagelmann

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