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Kolumne

Jackie A. entdeckt… Aufwachen

Aufwachen nach drei Stunden Schlaf, ins Smartphone schauen, Alptraum realisieren. Er hat’s geschafft.

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Trump ist zum Präsidenten der USA gewählt worden. Dieser Tag ist ein historischer. Darauf einen Kaffee, ach komm, reich rüber die Kanne – ich geb’ einen aus, westliche Welt! Hatten wir nicht eine geile Zeit, du und ich und all die anderen hier im beschaulichen Deutschland? Es ist so friedlich heute Morgen in der Küche, während bei Facebook die Panik ausbricht. Bei Radio Fritz kommentiert jemand das Wahlergebnis mit „überraschend“. Der Mann hat vermutlich den Brexit nicht mitbekommen, Erdogan, die Orbans und Kaczynski, die Zeichen waren da. Und nun hat so ein „Grab them by the Pussy“-Typ die Entscheidungsgewalt über einen nuklearen Erstschlag – roter Kopf trifft roten Knopf. Das Leben schreibt die besten Thriller. Jetzt aber erstmal Zähneputzen, dabei Regieanweisung ans Spiegelbild: Ruhe bewahren, Humor behalten! Bei Letzterem leistet überraschend die „Märkische Allgemeine“ erste Hilfe. In meiner Timeline taucht die Titelseite auf. „Good Morning Mrs. Präsident“ steht da, neben einem Bild von Hillary Clinton – da kann ich endlich mal lächeln. Auf dem unteren Teil (den man nur in der Druckversion sieht) ist dann noch Trump abgebildet – also kein Redaktionsfehler, das sei zur Ehrenrettung erwähnt. Nach der dritten Tasse Kaffee wird mir schwindlig. Was genau kommt da auf uns zu? War der Niedergang der DDR nur ein kleiner Vorgeschmack, bevor ein ganzes System global die Biege macht? Da hilft dann auch kein vollgetankter Trabbi mehr, mit dem man sich Richtung Prager Botschaft absetzen kann. Verdammt! Und dann denke ich wieder: Selbst schuld, Menschen nicht erstzunehmen! Statt selbstkritischer Auseinandersetzung Häme verbreiten, auf Frisuren statt auf Inhalte konzentrieren – ja, Medienkollegen, das geht auch an Euch und an die Politik, die Parteien, die ich jahrelang wählte. Wie die SPD, die es zugelassen hat, dass ein gesellschaftliches Ungleichgewicht so groß werden konnte. Und an mich und uns, die wir in unserer Blase verlernt haben, mit anderen Meinungen als der eigenen umzugehen. Unfassbar schien es, dass die Engländer wirklich für den Brexit gestimmt haben, schockiert nehmen wir zur Kenntnis, dass die Amerikaner einen Trump wählten – und hart wird es uns treffen, wenn die die AfD bei der Wahl 2017 in Deutschland stärkste Partei wird. Und wenn es etwas zu verhindert gilt, dann das. Immerhin, einen Vorteil haben wir. Wir können aus den Fehlern der anderen lernen, das müssen wir auch, die Zeit rennt.

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