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Kolumne

Jackie A. entdeckt… Dackel-Tsunami

Ich tanze zu Dolly Partons „Jolene“, greife nach imaginären Schnapskirschen Richtung Himmel, doch es sind leider nur Wimpel, die am Giebel des Festzeltes hängen.

Kolumne tip 20/2016 Jackie A.
Kolumne tip 20/2016 Jackie A.

Die Nachmittagshitze lässt mein Gehirn wie Butter schmelzen und als ich diesen behaarten Körper spüre, wie er sich unter meinen Rock drängt – seine Zunge, die sanft meine Schenkel berührt –, da werd ich fast verrückt, so gut ist das hier. Ich spüre Blicke, die mich verfolgen auf meinem Weg zum  Bratwurststand, ein animalisches Verlangen liegt da in der Luft, wie man es nur auf sehr speziellen Events hat, und ernsthaft, so ein Lab.Oratory-/Kit-Kat-Darkroom löst ja nicht mehr viel aus – aber ein Dackelrennen? Das ist ja schon eine Nummer und deshalb wohl auch der Höhepunkt dieses Erntedankfests. Das Szenario muss man erst mal sacken lassen: Heuballen, Erbsensuppe am Stand der Feuerwehr, Omis an Spinnrädern, Bierzelt, Cowboyhüte und alles dominierend: Dutzende Dackel, die da am Boden herumschnüffeln, unwirsch aufkläffen oder diesen hypnotischen Blick senden. Der sagt: „Bällchen, Würste, Frolic, einen stinkenden Socken – brings mir!“ Und damit hab ich jetzt nicht gerechnet. Gut, da war dieser Artikel in der „Süddeutschen“. Der Dackel wäre als Trendhund zurück, hieß es da. Und für den Süden mag das auch stimmen. Aber hier im geliebten Ossi-Land denke ich doch zuerst mal an Bulldoggen und Schäferhunde. Und nun befinde ich mich im Zentrum eines wahren Dackel-Tsunamis, sehe Dackelfans, die nicht nur die gleiche Frisur wie das Haustier tragen – so einen Rod-Stewart-Dieter-Birr-Puhdys-Look – nein! Da sind auch Schilder und T-Shirts: „Ein Herz für Dackel“ oder „ Go, Trixi, go!“ steht da, oder „Ein deutscher Dackel läuft nicht – er rückt vor“. Nur stimmt das so nicht, wie man beim Rennen feststellen kann, denn mancher hält mitten im Wettlauf gedankenverloren inne, während das Herrchen einen neuen Streckenrekord aufstellt – das sind dann die schönsten Momente. Überhaupt haben die Dackel einen genialen Einfluss, denn noch nie habe ich ein Volksfest erlebt, auf dem es so zartherzig zuging, so viel gelächelt und sanft berührt wurde.
Stundenlang noch hätte ich da zuschauen können und längst hat irgendein Adeliger, der Hubertus vom Dackelstrauch oder so ähnlich heißt, gewonnen, aber das spielt keine Rolle, denn es gewinnt jeder, der so ein Fest besucht, man muss es einfach nur mal machen.

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