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Kolumne

Jackie A. entdeckt… Der Plan

Der Plan ist, möglichst viele Berliner und Berlinerinnen zu überzeugen, ihre bisherige Wirkungsstätte des Wahnsinns zu verlassen, um sich in meiner Nähe, ins Umland abzusetzen

Jackie A. 2316

Gentrifizieren Sie mein Dorf! Erhöhen Sie meine Lebensqualität! Eröffnen Sie den ersten Bioladen oder ein Café, in dem der Kaffee nicht nach Brandenburg schmeckt. Sorgen Sie für ästhetischen Aufruhr, indem Sie ihre Häuserfassade nicht im exakt selben Ton streichen, wie es 2.132 andere vor Ihnen taten. Oder seien Sie einfach nur da, um am Smartphone gestikulierend ein bisschen urbanes Lebensgefühl zu verbreiten. Sie könnten mir auch helfen, dem freundlichen, jedoch verirrten Dorf-Taxifahrer zu erklären, dass er nicht in der BRD-GmbH lebt. Bekommen Sie auf einem verlassenen Feldweg vor lauter Ruhe hektische Flecken am Hals.
Entgegen aller Gerüchte ist das Landleben noch erschwinglich, und wer sich eine 3-Zimmer- Wohnung in Friedrichshain leisten kann, für den ist auch ein Häuschen in der Pampa drin. Man kann übrigens auch mieten. Ich spreche von einer Win-Win Situation. Sie entkommen der Mietpreisspirale, finden stattdessen im Wald Pilze und Ihr inneres Gleichgewicht, und ich brauche mich nicht länger wie ein Freak zu fühlen. Als die aus Berlin, die den Rasen nie mäht, denn auch Sie hätten vermutlich Besseres zu tun. Vielleicht müssten sie sich von lieb gewordenen Traditionen verabschieden, wie dem Mieter unter Ihnen, der den Bass gegen zwei Uhr nochmal aufdreht. Dafür könnten Sie auf zugigen Bahnhöfen endlich ihr Buchkonzept fertig stellen, während Sie auf die verspätete Anschlussbahn warten. Statt mit Berliner Schnauze würden Sie sich mit Brandenburger Humor auseinandersetzen, was nicht tragisch ist, denn auf dem Land nimmt man sich selbst nicht zu wichtig. Der Mensch ist zahlenmäßig ohnehin unterlegen. Stattdessen rocken Pferde, Mücken und Hühner die Ortschaft, zwischendurch auch eine Horde besoffener Waschbären oder ein Storch namens Ronny. Der drangsalierte unweit ein ganzes Dorf, attackierte im Hormonrausch parkende Autos mit dem Schnabel, bis Halter genervt ihre Wagen umsetzten und seither auf einen schnellen Wintereinbruch (und Ronnys Abflug) hoffen. Die Wildschweinsichtungen im eigenen Garten verliefen problemlos, neu ist der Fuchs. Er rollt sich hier zur Mittagsruhe ein und ich muss zugeben, so vor dem Ofen zu sitzen, während ein wildes Tier vor der Türe einschläft, ist nicht unbedingt ein Hinweis auf den bewegtesten Standort der Welt.
Ich hoffe aber, Sie kommen trotzdem.

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