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Kolumne

Jackie A. entdeckt… Dinosauriersalat

Die gute Nachricht zuerst: Keiner muss mehr nach Mallorca, wir haben doch die Uckermark! Und während wegen der schlechten Nachricht – Klimawandel – die Landwirte in Villabajo bei Brandenburg Dürreschäden bis zum Totalausfall beklagen, schwimmen die Bewohner Villaribas, im nördlichen Speckgürtel Berlins, emotional in einer Art Non-Stop-Bacardi-Feeling.

Weiter hinten, in den spritzputzgrauen Dörfern, wechseln die Farben längst ins Sandkorngelbe, und seit Jahrzehnten akkurat gemähte Rasenflächen ehemaliger Stasi-Mitarbeiter versteppen – spätes Karma sozusagen. Sogar die Apfelbäume haben hingeschmissen (ihre noch unreifen Früchte). Und weil die Trockenheit sämtliche Schnecken killt, sehen wir uns mit guinnessbuchhaften Erträgen unserer Zucchinipflanzen konfrontiert, durch deren Verzehr wir nach dem Ableben des blauen Planeten in Elon Musk’s Raumschiff locker noch zwei Jahre bis zum Mars durchhalten können. Bis dahin heißt es: Fit bleiben! Und so joggte beziehungsweise kroch ich wie jeden Tag unter sengender Sonne durchs Dorf, vorbei am Haus von Herrn H.. Fast hätte ich den Rentner hinter seiner Vorgartenpflanze übersehen, die in Form und Größe mittlerweile einen 1-A-Dinosaurier-Salat hergibt. Wachstumsmäßig ist sie in Höhe der zweiten Etage von H.’s schmucklosem Wohnhaus angekommen. Für den Winter hat er seinem brasilianischen Import, einem „Mammutblatt“, ein eigenes Haus gezimmert, so richtig mit Tür und kleinen Fenstern. So viel liebevolle Zuwendung wird natürlich mit noch mehr Wachstum belohnt, und bis der Dinosauriersalat demnächst als größte Vorgartenpflanze ever zum internationalen Ausflugsziel gerät, möchte ich als Pilgerstätte zu Gerswalde raten. Da findet bald schon das UM-Festival auf der Wasserburg und der Wiese am alten Ortskern statt mit Musik und Lesungen, dazwischen Mitveranstalterin und Indie-Ikone Gudrun Gut (siehe auch S. 35) und Musikerin und selbsternannter „galaktischer Sturm“ Pilocka Krach. Nebenbei kann man erleben, wie es ist, wenn Großstädter ihr Ideal vom Landleben umsetzen, im von Berlinerinnen betriebenen „Café zum Löwen“, im anliegenden„Glut & Späne“, einem kleinen Fischrestaurant, oder im „Paradieschen“, einer Bar – alles dicht beieinander, von Gärten und altem Gemäuer umgeben und mit ein bisschen, dem Land ganz wohltuendem, Hipster-Alarm. Beim UM-Festival sprechen wir schließlich von dem gesellschaftlichen Ereignis der Uckermark. Also auf Berliner, zur Landpartie!

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