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Kolumne

Jackie A. entdeckt… Last Days of Facebook

Ja. Stimmt schon. Facebook ist das Allerletzte – so over! Aber hier kommt sie nun auf den letzten Drücker: meine persönliche Facebook-Erfolgsstory.

Ich empfinde sie ein bisschen wie die Angstblüte bei Bäumen, die der Legende nach vor dem endgültigen Ableben noch einmal in aller Pracht und schöner denn je blühen. Und bevor Facebook da landet, wo es hingehört, nämlich in den unendlichen Weiten des Datenschrotts, zeigen Filterblasen weltweit ein letztes Mal, wie inspirierend sie sein können. In meinem Fall geht die Geschichte so: Berlinerin zieht raus aufs Land, vermisst in der neuen Stille Teile ihres alten Lebens und ganz besonders das Tanzen so sehr, dass sie beginnt, jeden Morgen allein auf ihrer Terrasse zu tanzen. Zuerst nur für sich (und ein paar verdutzte Nachbarn), dann mitgefilmt mit dem Handy vom Küchentisch aus und bei Facebook hochge­laden. Das Feedback war derart aufmunternd, dass immer mehr in das Hobby investiert wurde: Zeit, neue Leggings, Bearbeitung mit GIFs und Filtern – bis dann wirklich mal ein Berliner Veranstalter in der Kommentarspalte fragte, wo der „Act“ eigentlich zu buchen sei. Als dann noch eine Produzentin anklopfte mit Anfrage wegen eines Musivideodrehs, da dachte ich nur: Facebook, du bist so eine Sau, aber wegen dir wird aus meiner Terrasse nun für einen Tag Hollywood – oder mindestens Brooklyn. Und was das bedeutet, wurde auch erst so richtig klar, als hier kistenweise Scheinwerfer, Nebelmaschinen und Beamer ins Haus getragen wurden. Der Videodreh selbst lief dann so, wie man sich das vorstellt, wenn ein Dutzend Musikvideoleute zu Gast sind: Tänzer, die sich noch schnell irgendwo einen Knopf annähen und überall Lametta-Perücken, Sport­socken, Kabel, Rotwein- und Club-Mate-Flaschen.

In der Nacht wurden dann überdimen­sionale psychedelische Muster in den Garten projiziert. Davor wurde ­beispielsweise ein wackelnder Po abgefilmt, dann wieder tanzende Silhouetten.
Alles lief entspannt, bis um 22 Uhr die totale Panik ausbrach, weil Sicherungen rausflogen, Licht und noch zirka 50 Szenen fehlten, der letzte Zug jedoch schon in zehn Minuten fahren würde. Das Finale mündete in dem Geräusch knallender Autotüren und in einem gefühlten Desaster, aus dem voraussichtlich etwas Tolles entstehen wird. Die Tage von Facebook mögen gezählt sein, doch selbst für einen sterbenden Wald gilt: Wie hineingerufen wird, so schallt’s wieder raus. Und manchmal mit erstaunlichem Echo.

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