• Kultur
  • Jackie A. entdeckt… Liebe Re:publica-Macher, werte Bundeswehr

Kolumne

Jackie A. entdeckt… Liebe Re:publica-Macher, werte Bundeswehr

Hier spricht eine Frau aus dem Volk, so eine abgehalfterte Techno-Nudel, eine Ex-Ossi auf der Suche nach Südfrüchten und internationaler Harmonie, die irgendwie ahnt, dass das Internet den Alltag noch unfassbar auf den Kopf stellen wird, leider jedoch nie Informatik studiert hat

Deshalb möchte ich euch, den Re:publicas, danke sagen für das erste digitale Volksfest in Berlin. Es war geheimnisvoll (wegen fehlender Ausschilderung 20 Minuten durch den Park geirrt), informativ (Workshops!), mitreißend (Auftritt Berliner Kneipenchor) und sogar ein bisschen peinlich (Begeisterung im Wechsel mit Fremdscham bei Performance „Living Drum Maschine“). Kurz: Euer Netzfest hatte alles, um eine Hausnummer zu werden! Nur die Nudeln waren zu früh ausverkauft.

Und an euch, werte Bundeswehr: Ich bin ernsthaft dankbar, wenn ihr für Sicherheit sorgt. Ich verstehe, dass ihr Programmierer*innen rekrutieren müsst. Warum dies nun nicht auf einer Jobbörse passieren sollte, sondern auf einer Internet-Konferenz, die sich als Plattform für Frieden und Netzneutralität sieht – zwischen Einhorn-T-Shirts und Pazifisten –, ist mir allerdings schleierhaft. Und eure Guerilla-Kampagne, die nach Abweisung eines von euch angefragten Standes durch die sozialen Medien fegte, wurde nicht ganz fair geführt. Der Eindruck entstand, dass die Bundeswehr generell ausgeschlossen wird, dabei waren laut Veranstalter Bundeswehrverantwortliche eingeladen, um über Themen, wie die Militarisierung des Netzes zu diskutieren. Stein des Anstoßes war die Form. Also ein Stand, um Soldaten auf einer Konferenz zu rekrutieren, deren Geist hier im Heft mit dem der frühen Love-Paraden verglichen wurde. Will sagen: Kein Mensch hasst die Bundeswehr, aber Armeeuniformen auf Love-Paraden sind ein No Go – es sei denn, DJ Tanith trägt sie.

Eigentlich ist es einfach. Jemand macht eine Party und da gibt es Hausregeln: Schuhe aus, Ruhe im Hausflur, wer Stress macht, fliegt. Jetzt kann man euren Wagen, den ihr da mit Soldaten vorm Eingang des Geländes geparkt hattet, nicht gerade mit „Ruhe im Hausflur“ gleichsetzen, aber er brachte die Aufmerksamkeit, die ihr braucht. Es wäre nun eine weise Geste, wenn sich sämtliche Beteiligten die Hand reichen würden, Ziel: Neustart für eine Teilnahme zu respektierten Regeln. Nur von der würden wirklich alle profitieren.

Diplomatische Grüße, Jackie A.

Mehr über Cookies erfahren