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Kolumne

Jackie A. entdeckt… Luftschutzlust

Früher trug ich Kondome bei mir, falls sich, was eigentlich nie passierte, spontan Sex ergeben sollte. Heute packe ich Kondome ein, weil ich so im Notfall Trinkwasser transportieren kann

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So habe ich das im Fernsehen gesehen: von einem verschroben wirkenden Typen, der überall auf seinem Grundstück Lebensmittelvorräte vergraben hat und nie ohne Draht und Taschenlampe das Haus verlässt.
Nach der Aufforderung, jeder Bürger solle Nahrungsmittel bunkern, gefolgt von der Androhung einer neuen Wehrpflicht, hatte ich das Gefühl, dringend etwas tun zu müssen. Also stritt ich mit meinem Mann. Es ging um verpasste Chancen beim Hausbau – Keller! – sowie Notstrom-Aggregate und Dosensuppen. In der Nacht starrte ich auf mein Handy, zog mir Youtube-Tutorials zum Bau einer Do-it-yourself-Strahlenschutzweste aus Eierverpackungen und Butterbrotpapier rein. Aber so lustig ist das alles nicht! Es sei denn, man ist Bunkerbauunternehmer. Dann geht die schönste Zeit jetzt erst los – ich sehe die Anzeigen bei Immonet schon vor mir:
Auf das Beste hoffen! Mit dem Schlimmsten rechnen! Sichern Sie sich ihre exklusive Wohneinheit im neuen Lifstylebunker! Während oben das Chaos ausbricht, genießen Sie unten die Behaglichkeit des Prenzl’berger Erdreiches. Erleben Sie das beruhigende Gefühl einer unabhängigen Wasser- und Sauerstoffversorgung. Die Außenwelt, sofern noch existent, können Sie bequem per Bunker-WLAN kontaktieren. Aktuelle Informationen über den Zustand der Menschheit sind über ein limitiertes Kurbelradio im Vintagelook, Design by Harald Glööckler, zu empfangen. Im Badezimmer wartet ein funktionaler Strahlenschutzanzug plus origineller Atemmaske (mit Katzenohren) darauf, für einen Ausflug in die Ungewissheit genutzt zu werden. Und während erste russische Panzer einrollen, genießen Sie Ambientsound über Qualitätskopfhörer der Firma Sennheiser …“
Diese Bunkerbauten werden, soviel ist klar, einen Riesenhype erleben, woraufhin Printmedien nachziehen mit den Magazinen „Schöner Bunkern“ „Luftschutzlust“ und „Bunkerliebe“. Und obwohl sämtliche Weltuntergangsszenarien ausbleiben, werden die Bewohner, weil es komfortabel ist und sie ihr ganzes Geld investiert haben, nie wieder das Erdreich verlassen. Unerwartet wird sich so das Berliner Wohnraumproblem doch noch lösen. Und die Angst? Die war am Ende vielleicht zu was gut. Danke, Merkel!

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