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Kolumne

Jackie A. entdeckt… Pizza Calzone

Letztens waren Bauarbeiter im Haus. „Super Firma“, hatte jemand gesagt. Und dann, eines Morgens, klingelten sie an der Tür

So ein richtiges Vorzeige-Startup, nur ohne Sneakers und Technologie, aber jeder von ihnen ein Typ wie aus einem Roman. Vom Türken über Serben bis zum Araber war alles dabei. Der Älteste war ungefähr 72 Jahre alt und kam mit dem Gehstock… – auf eine Baustelle! Er sprach kaum Deutsch, dank des serbischen Übersetzers haben wir uns trotzdem ganz gut unterhalten. Er hat von Beirut erzählt, dieser wunderschönen Stadt, und wie sie sich verändert hat, wegen Krieg und der Flüchtlinge (auf einen Einwohner kommen drei Flüchtlinge). Derweil hat der Kollege mit den schiefen Zähnen auf dem Grundstück Unkraut gezupft, ungefähr zwei Tonnen. Er fragte, ob er das mitnehmen dürfte, er wolle sich das in seine Pizza Calzone machen. Da habe ich natürlich aufgehorcht. Er hielt mir ein Blatt zum Probieren hin. Und weil ich hier immer noch munter in die Tasten haue, werde ich mich auch zukünftig von Teilen des Unkrauts ernähren (es war Sauerampfer).
Der Serbe wohnt übrigens mit seiner Frau im Wedding und findet den gar nicht schön, es wäre dort ja genau wie in Serbien. „Aber es gibt doch so schöne Ecken!“, sage ich. „Wo denn?“, fragt er. Und da fällt mir erst mal nichts ein. Am Ende empfehle ich den Park Sanssouci in Potsdam. Und dann haben sie auch schon weiter verputzt und dabei höllisch geschwitzt und waren konzentriert bei der Sache – so richtige Profis eben. Beim zweiten Termin vergaßen sie allerdings Teile ihres Werkzeugs. Das hat mich total aufgeregt. „So läuft das hier nicht!“, habe ich gerufen und angekündigt, die AfD zu wählen, sollte sowas nochmal vorkommen. Da hat der türkische Bauarbeiter geantwortet, das wäre überhaupt kein Problem, er wähle die nämlich auch.
Und um gleich mal ein Vorurteil zu bestätigen: Die Baustelle sah meistens chaotisch aus – wirklich schlimm! Aber das ist bei meinem Schreibtisch ja auch so. Und der Putz ist richtig gut geworden. Zum Schluss haben sie ihren Zug verpasst und wir haben sie zum nächsten Bahnhof gefahren. Auf dem Weg durch den Wald hat uns ein Armeefahrzeug überholt, so ein olivgrüner Panzerwagen. Der Serbe hat sich regelrecht erschrocken, stammelte: „Putin, Krieg, Nix gut, nix gut.“ Ich sagte, er bräuchte sich keine Sorgen machen, das wäre doch nur dieser Reichsbürger aus dem Nachbardorf. Den nächsten Zug haben sie dann bekommen.
Morgen sind die Bauarbeiter wieder im Haus.

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