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Kolumne

Jackie A. entdeckt… R.I.P. Pin

Milch, Bananen und eine Tüte Nüsse liegen auf dem Band bei Netto. Jetzt stecke ich noch meine Karte ins Gerät und dann legt der Kassierer den Bon auf die Ablage und ich unterschreibe – nur leider nicht, wie üblich, mit meinem Nachnamen sondern… mit meiner geheimen PIN!

Wie zerstört kann ein Gehirn am Montag sein? Eine Woche später an der Kasse bei Rewe: Ich habe kein Bargeld dabei, ahne aber schon, dass mir die PIN meiner Karte nicht rechtzeitig einfallen wird. Nur eine Kundin steht noch vor mir. Schön wäre jetzt, wenn ich bei dem Kassierer vom Netto nochmal nachfragen könnte. Okay. Durchatmen. Es hilft ja meistens, sich kurz zu entspannen und an nichts zu denken und dann, wie Phönix aus der Asche, wird sie erscheinen: die magische PIN! Leider fühle ich mich von den Wartenden unter Druck gesetzt, insbesondere von der Stämmigen mit dem stechenden Blick und dem schwarz-rot-goldenen Tiefkühl-Tortenmix im Wagen direkt hinter mir. Eilig stopfe ich meine Karte ins Gerät und tippe. „Geheimzahl falsch“, steht auch beim letzten Versuch auf der Anzeige. Lebensmittellos verlasse ich den Supermarkt. Als sich krachend die Türen der U-Bahn schließen, da fällt mir – Ha!– meine PIN wieder ein. Allerdings die alte von 2002. Eine weitere, die vom ersten Sparkassenkonto ’89, kommt mir gleich anschließend in den Sinn, die 1712! Ja, verdammt, Gehirn, wieso schickst du mir hier Zahlen aus vergangenen Jahrzehnten? Nein, ich werde nicht aufgeben, die PIN liegt mir quasi auf der Fontanelle! Ich komme nur einfach nicht drauf. 8012?…5223? Oder die 3258? Nein! Nein! Nein! Einige Tage später: R.I.P. PIN. In den endlichen Weiten meines Synapsengewirrs gingst du verloren. Und diesmal war es wohl für immer. Niedergeschlagen rufe ich bei der Bank an und ein Sachbearbeiter eröffnet mir, dass gerade jetzt, im schwül-warmen Klima, mehr Menschen als üblich ihre PIN- und PUK-Zahlen vergessen. Ich bekomme eine neue Nummer und überlege, sie mir ähnlich wie Guy Pearce in „Memento“ mit wasserfestem Stift auf dem Körper zu notieren. Dann kann ich Gäste im Strandbad fragen, wenn ich sie das nächste mal vergesse. Bis dahin würde ich mich und andere Sommervergessliche gern an die Worte des dänischen Philosophen Kierkegaard erinnern, wären sie mir nur nicht gerade entfallen. Ich habe aber gegoogelt. Er sagte, man kann die Elastizität eines Menschen an der Kunst, zu vergessen, messen. OMG! Ich bin eine überdurchschnittlich elastische Person! Und wie steht es mit Ihnen?

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