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Kolumne

Jackie A. entdeckt… Roboter raus

Wenn die besorgten Bürger verstünden, dass mittelfristig nicht Flüchtlinge, sondern intelligente Roboter ihre größten Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt sind – ob sie dann „ Schrotthaufen raus!“ skandieren würden, während sie kleine Roboter am Galgen durch die Straße tragen?

Kolumne Jackie A. in tip 05/2017

Schon vor der technologischen Singularität, also dem Zeitpunkt, an dem Maschinen sich selbst programmieren können, werden massive gesellschaftliche Umwälzungen auf uns zukommen, die in ihrer Tragweite noch gar nicht absehbar sind. Nur so viel ist sicher: Menschen werden viel mehr Zeit haben und kaum noch Arbeit. Deshalb ist das Konzept eines Grundeinkommens für alle längst kein Phantasma mehr. Ich finde es tragisch, dass sich keine Partei diesem wichtigen Thema annehmen will. Dass uns aufregende Zeiten bevorstehen, wurde mir zuletzt erst wieder am Küchentisch klar, als mein Mann einen Satz so beendete: „…und morgen kommt Angela Merkel ins Büro.“ Ich weiß jetzt nicht, wie oft Sie so was beim Abendbrot zu hören bekommen. Bei mir reichte es für einen Käsebrotabsturz: „Was? Wieso?“ Mir wurde erklärt, dass man sich nun offenbar auch in der Politik für die Zukunft interessiert, in diesem Fall für neue Optionen im großstädtischen Nahverkehr: ein intelligentes System der Beförderung, das Fahrzeuge durch einen Datenalgorithmus punktgenau an jeden gewünschten Standort führt.
Für solche Systeme zermürben sich derzeit mein Mann und seine 50 Kollegen das Hirn. Wenn man bedenkt, dass schon heute autonome Autos durch Teile Oslos brausen, kann man die erhöhte Aufmerksamkeit der Politiker nachvollziehen. Möchte man doch vermeiden, bei maßgeblichen Entwicklungen den Anschluss zu verpassen, so wie einst beim Projekt „Schnelles Internet für alle“. Darauf warten ja viele bis heute in Deutschland. Hier im Dorf schwingt schon mal leichte Technologieeuphorie durch die Scheune. Dank App schaltet sich das Licht bei Sonnenuntergang von selbst in der gewünschten Farbe ein und ich bin zuversichtlich, dass die Menschen per Knopfdruck einmal vom Schneidezahn bis zum Fahrzeugteil ihr Dinge aus dem 3D-Drucker bekommen. Dann wird es Textilien geben, die sich je nach Bedarf vom Schlafanzug in Outdoor- oder Abendbekleidung morphen und „mitdenkende“ Hausroboter, die einem Erledigungen abnehmen. In dieser nicht allzu fernen Zeit  wird man achtspurige Straßen mit geschlossen Augen überqueren können, denn intelligente Fahrzeuge werden halten, ohne das jemand „Arschloch“ vom Fahrersitz brüllt. Maschinen kennen ja keine Eile! Leider gilt das auch für den Politikbetrieb. Vielleicht ist das ja das größte Problem unserer Zukunft.

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